Im aktuellen Streit um die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe schlägt UnternehmensGrün – der bundesweite Verband ökologisch und sozial innovativer Unternehmen – eine wirtschaftsinterne Regelung vor.

„Angesichts von 25.000 fehlenden Lehrstellen und der Tatsache, dass nur rund ein Drittel aller Betriebe Ausbildungsplätze anbieten, darf sich die Wirtschaft nicht von vorneherein einem Regelungsinstrument verschließen, das auf finanziellen Anreizen und Sanktionen beruht“, so Gottfried Härle, Chef einer mittelständischen Brauerei im Allgäu und Mitglied im Vorstand von UnternehmensGrün. Allerdings solle nicht der Staat über eine Ausbildungsplatzabgabe für mehr Lehrstellen sorgen, sondern die Wirtschaft selbst. „Wir wollen nicht mehr Bürokratie, sondern mehr Ausbildungsplätze“, umreißt Gottfried Härle das Ziel seines Verbands. Deshalb schlägt er vor, die Ausbildungsbereitschaft von Betrieben bei der Höhe der Mitgliedsbeiträge zu den Industrie- und Handelskammern wie auch zu den Handwerkskammern zu berücksichtigen. Wer Lehrlinge ausbildet, solle bei den Kammerbeiträgen entlastet werden. Betriebe dagegen, die keine Ausbildungsplätze anbieten, sollten einen Aufschlag auf ihre bisherigen Kammerbeiträge bezahlen. Dadurch, so UnternehmensGrün, käme die Ausbildungsplatzabgabe direkt den ausbildenden Unternehmen zugute – ohne staatliche Einflussnahme und ohne bürokratische Umwege. Für Betriebe, die bisher noch keine Lehrlinge beschäftigen, könnte der Abschlag bei den Kammerbeiträgen einen Anreiz zur Schaffung von Ausbildungsplätzen bieten.

Da die Kammern die Organisation der Berufsausbildung im dualen System koordinieren, verfügen sie bereits heute über sämtliche Informationen und Daten, die für die vorgeschlagene Neuberechnung der Kammerbeiträge erforderlich sind. Die Abwicklung der Abgabe läge allein in Händen der Wirtschaft und wäre äußerst einfach. Gottfried Härle: „Als Unternehmer tragen wir ein hohes Maß an Verantwortung für ein qualifiziertes und ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen – nicht nur in gesellschaftlicher Hinsicht, sondern auch im ureigensten Interesse unserer Betriebe an gut ausgebildeten Nachwuchskräften. Wir sollten alles tun, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten genügend Lehrstellen zur Verfügung stehen. Die vorgeschlagene Differenzierung bei den Kammerbeiträgen kann dazu mit Sicherheit ganz wesentlich beitragen und die staatliche Ausbildungsplatzabgabe wäre endgültig vom Tisch. Außerdem könnten die Kammern damit ihrem Anspruch als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft noch mehr als bisher gerecht werden.“

Mit freundlichen Grüßen
Britta Kurz, Geschäftsführerin