Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Umwelt-Wirtschaftsethik“

Unter dem Titel „Sauberes Trinkwasser für alle?!“ luden am 23. Februar 2014 UnternehmensGrün und die GLS Bank zu einer Matinee in Berlin Mitte ein. Prof. Dr. Joachim Wiemeyer, katholischer Theologe an der Universität Bochum, Michel Cunnac, Vorsitzender der Geschäftsführung der Veolia Wasser GmbH und Heidi Kosche, Mitglied des Abgeordnetenhauses (Bündnis 90/ Die Grünen) diskutierten den ökonomischen und ethischen Umgang mit Trinkwasser. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Dr. Katharina Reuter, der Geschäftsführerin von UnternehmensGrün.

Nach Grußworten von Werner Landwehr (Leiter der GLS Bank Filiale Berlin) und Klaus Stähle (Vorstand UnternehmensGrün) hielten die geladenen Referent/innen kurze Input-Vorträge. Dabei hob Prof. Dr. Wiemeyer hervor, dass die Wirtschaft politisch gestaltet werden solle. Die Bereitstellung von sauberem Wasser sei eine soziale wie staatliche Verpflichtung – es müsse daher durch die öffentliche Hand bereitgestellt werden. Dagegen hielt Michel Cunnac fest, dass ein Unternehmen wie Veolia Wasser lediglich Trink- und Abwässer „verteile“, nicht damit handele. Auch seiner Meinung nach sei Wasser ein Gemeingut. Nichtsdestotrotz müsse Wasser einen Wert haben, um so Verschwendung vorzubeugen. Einen direkten Bezug zu Berlin stellte Heidi Kosche her, sie hob hervor, dass die Wasserpreise in Berlin in den letzten 13 Jahren um 30 % gestiegen sind. Sie fügte an, dass das Bundeskartellamt den Fall prüfe und allgemein die durch Veolia eingeführte Tarifgestaltung gerade für kleine- und mittelständige Betriebe eine starke finanzielle Belastung darstelle.

Nach den Vorträgen der Expert/innen entwickelte sich im Rahmen der Podiumsdiskussion auch eine lebhafte Debatte mit dem Publikum. Vor allem das Thema der Berliner Wasserversorgung und des Volksentscheids wurde immer wieder als Beispiel für Chancen und Risiken von Privat Public Partnerships und eine gelingende Re-Demokratisierung von öffentlichen Infrastrukturen herangezogen. Klar wurde auch, dass viele Menschen sich mehr Transparenz bei der Preisbildung auf dem Wassermarkt und gleichzeitig mehr Mitspracherechte wünschen.

Partizipation sei nicht nur in Berlin wünschenswert, sondern vor allem dort, wo Trinkwasserversorgung noch immer ein Luxusgut sei, in den Ländern der so genannten Dritten Welt, so Prof. Dr. Wiemeyer. Sie könne aber nur erfolgreich sein, wenn in den Ländern des globalen Südens entsprechende soziale Fragen wie Bildung angegangen würden. Gleichzeitig müsse die Unterfinanzierung der Kommunen beendet werden, die wiederum zu mangelhafter Ausstattung im Bildungssystem sowie zu Verkauf oder Verpachtung öffentlicher Infrastrukturen führe.

Dr. Katharina Reuter schloss sich dieser Thesen an und unterstrich abschließend, dass sowohl Transparenz in der Gestaltung von Verträgen wie auch politische Partizipation der Bürger/innen den Schlüssel zum Erfolg darstelle. Wasser sei keine Ware wie jede andere. Mit ihr müsse nachhaltig und umsichtig umgegangen werden. Dies gelte allgemein für Güter der öffentlichen Daseinsvorsorge, damit die Legitimität politischen Handelns nicht hinter dem Diktat wirtschaftlicher Zwänge verschwinde. Nur so könnten Nachhaltigkeit und Umweltschutz langfristig umgesetzt werden.

Zum Nachlesen:
Vortrag von Prof. Dr. Wiemeyer
Vortrag von Michel Cunnac

Bilder der Veranstaltung