Berlin, 6.8.2014: Noch herrschen sommerliche Temperaturen, aber der nächste Winter kommt bestimmt. Russland hat steigende Gaspreise angekündigt. Das trifft Deutschland besonders: Denn hier ist man zu knapp 39 Prozent abhängig von der Energie aus Russland (vgl. Spiegel Online, 3.8.2014).

Dabei ginge es künftig auch ohne russische Gasimporte. Im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion hat IWES (Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesysteme) untersucht, wie und bis wann Deutschland unabhängig von den Gasimporten werden könnte. Da der klimaschädliche Energieträger Kohle ausscheidet, ist ein wichtiges Ergebnis, dass eine forcierte Energiewende die Unabhängigkeit in weniger als 16 Jahren erreichen würde. Geht es nach den Energiewendeplänen der Bundesregierung wäre Deutschland noch mehr als 35 Jahre von russischen Erdgasimporten abhängig.

Der allergrößte Teil des Gasverbrauchs entfällt auf Wärme. Die AG Energiebilanzen zeigt, dass mehr als zwei Drittel des gesamten deutschen Gasverbrauchs für die Wärmeerzeugung verfeuert wurden (Zahlen für 2011, vgl. green.wiwo.de, 21.3.2014). Damit aber im Wärmebereich endlich Fortschritte erzielt werden, müssten wesentlich mehr Gebäude schneller energetisch saniert werden: IWES kommt zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr drei Prozent des Bestands gedämmt und mit moderner Heiztechnik ausgestatten werden müssten. Momentan liegt die Sanierungsquote bei 0,8 Prozent.

Gottfried Härle, Brauer und Vorstand von UnternehmensGrün, weist auf die Bedeutung des Gebäudebestandes hin: „Drastische Investitionen in die Gebäudesanierung würden die Heizkosten (im Wesentlichen für Gas und Erdöl) deutlich senken. Die Situation ist aber vertrackt. Eigentümer investieren ohne Anreize und Zwang nicht genug, weil die Mieter schließlich für die Wohnheizkosten zahlen. Wir haben die Quadratur des Kreises ermittelt. Es ist ganz einfach: Auf den richtigen Switch kommt es an.“

In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung hatte UnternehmensGrün im Herbst 2013 ein umlage­finanziertes Fondsmodell für eine verlässliche Finanzierung der energetischen Gebäude­sanierung vorgelegt. Dazu erklärt Klaus Stähle, Inhaber einer Anwaltskanzlei und Vorstand von UnternehmensGrün: „Die Idee des Fondsmodells ist: Auf Heizkosten, sprich Gas und Erdöl wird eine Umlage erhoben, die der Vermieter zu zahlen hat und nicht auf den Mieter abwälzen kann. Abwälzen kann er die Umlage erst, wenn er spürbar und effektiv in die Gebäudesanierung investiert hat. Der Fond der aus der Abgabe gespeist wird, steht dem investierenden Vermieter zur Verfügung.“ Stähle weiter: „Für die Mieter erhöht sich zwar kurzfristig die Miete, langfristig haben aber alle einen Vorteil: Der Mieter durch nicht mehr so stark ansteigende Nebenkosten; der Vermieter, weil der Wert seiner Immobilie durch die Investition gestiegen ist – und die Umwelt, weil weniger CO2 in die Atmosphäre gepustet wird. Ach ja: Preise sinken und wir sind deutlich weniger von Russland abhängig.“


Policy-Paper „Prämienmodell für eine verlässliche Finanzierung der energetischen Gebäudesanierung“, 2013

Kurzstudie „Erdgassubstitution durch eine forcierte Energiewende“, 2014


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Pressekontakt:

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin UnternehmensGrün,  0178-44 81991, reuter@unternehmensgruen.de

Klaus Stähle, Geschäftsführender Vorstand, Inhaber Kanzlei Stähle, staehle@kanzlei-staehle.de

 

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