Vergangenen Mittwoch fand im taz Café der erste Teil der neuen Veranstaltungsreihe Berliner Unternehmensgespräche statt, die von der Gemeinwohlökonomie Berlin, der taz – die Tageszeitung und UnternehmensGrün ausgerichtet werden.

Zum Thema „TTIP – und der Protest von Unternehmen“ diskutierten Dr. Hans-Jürgen Völz, Leiter Volkswirtschaft Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Guido Körber, Geschäftsführer und Inhaber der Code Mercenaries GmbH sowie Dr. Katharina Reuter (UnternehmensGrün).

Im taz Café stellte zuerst Hans-Jürgen Völz die Ergebnisse der Studie: „Wie zufrieden ist der Mittelstand mit der aktuellen Freihandelspolitik?“ vor. Das Forschungsinstitut Prognos hatte im Auftrag des BVMW und der Schöpflin Stiftung 800 kleine und mittelständische BVMW-Unternehmen zu TTIP befragt – mit klarem Ergebnis: Demnach erwarten 62 Prozent der befragten Firmen „eher negative“ oder „sehr negative“ Auswirkungen durch das geplante Abkommen. Nur 22 Prozent sehen positive Effekte. Der deutsche Mittelstand erhofft sich zudem kaum Vorteile für das eigene Geschäft. Von TTIP würden bislang vor allem große Unternehmen profitieren.

Guido Körber, der seit Jahren geschäftlich in den USA unterwegs ist, berichtete aus seinem unternehmerischen Alltag. Seines Erachtens nach trägt TTIP – zumindest in der Harmonisierung der Standards – gar nicht zu einer Erleichterung des Handels mit amerikanischen Unternehmen bei: denn auf Ebene der Bundesstaaten bis hin zum County hat die US-Regierung keinen Durchgriff auf die Zertifzierungsstellen und technische Spezifikationen

Mit einem anderen Sektor beschäftigt sich die UnternehmensGrün-Studie „TTIP: Risiken für kleine und mittlere Betriebe in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“, die von Katharina Reuter vorgestellt wurde. Sie kommt zu dem zentralen Ergebnis, das eine Intensivierung des europäisch-amerikanischen Handels im Agrar- und Lebensmittelsektors zu einem erhöhten Höfesterben in Europa führt, sowie Umwelt- und Verbraucherstandards abgesenkt würden. „Europäische Agrar-Unternehmen sind durch einen größeren Anteil bäuerlicher Familienbetriebe und kleinere Betriebsgrößen strukturell anders aufgestellt als die amerikanischen Betriebe – und damit nach strengen marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten unterlegen“, so Reuter . Landwirte und Lebensmittelverarbeiter exportieren kaum in die USA, die überwältigende Mehrheit der Unternehmen in Europa habe von einem Freihandelsabkommen mit den USA darum vor allem zusätzliche Konkurrenz zu erwarten. Reuter: „In einer Situation, in der ohnehin viele Landwirte ihre Betriebe schließen müssen, ist das völlig unverantwortlich.“ Dass Produkte wie Getreide in den USA so billig seien wie nirgends sonst, liege zu einem erheblichen Teil auch an den dortigen Standards zum Einsatz von Gentechnik und den hohen Grenzwerten für Pestizide. „Wie die EU insbesondere die mittelständische Landwirtschaft und Verarbeitungsbetriebe in der Ernährungsbranche vor dieser Konkurrenz langfristig schützen will, ist unklar“, warnte Reuter. Die Agrar- und Lebensmittelbranchen müssten daher aus dem geplanten Freihandelskommen ausgeklammert werden.

Die nächste Veranstaltung der Reihe Berliner Unternehmensgespräche findet am 15.06.2016 mit dem Thema: „Führung im nachhaltigen Unternehmen: Dreieck vs. Kreis“ im taz Café statt.