Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche, vor allem aber unsere Arbeitswelt. Wie haben sich Kommunikation, Produktion und Konsum durch den Einfluss von Technik und Internet verändert? Und wie steht es um die ökonomischen und ökologischen Chancen der Digitalisierung? Um diese und weitere Fragestellungen ging es am 14. Oktober bei der Veranstaltung „Update im Betriebssystem: Gute Arbeit und ökologisches Wirtschaften in der digitalen Zukunft“. Die Tagung wurde gemeinsam von der Heinrich-Böll-Stiftung, GewerkschaftsGrün und UnternehmensGrün ausgerichtet.

Peter Siller, Leiter Politische Bildung Inland bei der Heinrich-Böll-Stiftung, machte gleich zur Begrüßung deutlich, dass technologischer Fortschritt eine wichtige Komponente für die gesellschaftliche, soziale, ökologische und ökonomische Transformation sei. Siller betonte außerdem, dass die Digitalisierung großes Potential hat, was den ökologischen Bereich betrifft und sagte weiter: „Die Digitalisierung wird traditionelle Arbeitsfelder pulverisieren – aber eben auch neue Arbeitsfelder schaffen.“

In seinem Vortrag “Wie sieht die digitale Welt von morgen aus? – Ein Blick in die Zukunft“ beschrieb der Technologieanalyst und Autor Ulrich Sendler seine Einschätzung zum digitalen Wandel und dem Internet der Dinge und Dienste. Das Internet of Things (IoT, Internet der Dinge) bezeichnet die zunehmende Vernetzung von Geräten, Sensoren etc. via IP-Netz. Arbeitsprozesse seien in diesem Rahmen kostengünstiger und schneller als beispielsweise herkömmliche Industriearbeit. Sendler machte deutlich, dass kleine und mittelständische Unternehmen meist keine eigenen Forschungsabteilungen haben und daher auf Vernetzung angewiesen seien. Er führt ein gelungenes Beispiel an, wo sich der Mittelstand explizit mit Digitalisierung befasst und sich miteinander vernetzt (das Technologienetzwerk it’s OWL, Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe). Einen Vorteil der Digitalisierung sieht Ulrich Sendler darin, „dass durch Vernetzung weniger und unnötiger Verkehr verhindert werden kann.“ Somit könne CO2 eingespart werden.

In der Podiumsdiskussion „Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft“ prognostizierte Prof. Wolfgang Däubler, Rechtswissenschaftler, dass in Zukunft die menschliche Arbeit vor allem für kreative Prozesse gebraucht werde, wofür wichtige Voraussetzungen Freiheit und Sicherheit seien. Er forderte daher eine Anpassung der arbeitsrechtlichen Bedingungen. Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall, stellte klar, dass auch emotionale Tätigkeiten nicht „robotisierbar“ seien. Sie plädierte dafür, dass Arbeit besser verteilt werden müsse (Zeitsouveränität, flexibel) und Probleme nicht mit Leiharbeit gelöst werden sollten. Benner weiter: „Gesetzliche Grundlagen sind nötig, um tarifliche Möglichkeiten zu gestalten. Arbeit 4.0 braucht Sozialstaat 4.0!“

UnternehmensGrün richtete die Podiumsdiskussion „Ökonomische und ökologische Chancen der Digitalisierung“ aus. Dabei ging es u.a. darum, wie ökologische und ökonomische Anforderungen im fortschreitenden Prozess der Digitalisierung berücksichtigt werden können. Diese Fragen diskutierten Tabea Rößner, MdB, Bündnis 90 / Die Grünen, Sprecherin für Medien und Digitale Infrastruktur, Ulrich Sendler, Technologieanalyst und Autor, Nele Lübberstedt, kaneo GmbH – Green IT Solutions und Vorstand UnternehmensGrün und Dr. Thorsten Käseberg, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Thorsten Käseberg nahm u.a. Stellung zur These „Energie sei zu billig“ und bilde nicht die wahren Kosten ab. „Es wäre in der Tat wünschenswert, dass die Energiekosten alle Auswirkungen auf die Umwelt beinhalten. Das ist besser, als kleinteilig in Geschäftsprozesse einzugreifen.“ Er räumte zudem ein, dass Fragen der Nachhaltigkeit und Ökologie im Zusammenhang mit dem Thema Digitalisierung im BMWI eher eine Nebenrolle spielen. Daten- sowie Verbraucherschutz stünden stärker im Fokus. Nele Lübberstedt forderte von der öffentlichen Hand, Nachhaltigkeit als Kriterium in ihre Beschaffung mit aufzunehmen. Gleichzeitig sei es wichtig, die kleinen und mittleren Unternehmen beim Thema Digitalisierung verstärkt zu unterstützen.