Unter dem Titel Öko, nachhaltig, gemeinwohlorientiert – welche Rahmenbedingungen wollen wir?“ luden Bioland und UnternehmensGrün zur Diskussion im Kongressprogramm der BIOFACH 2017. Beide forderten über die Agrarpolitik hinaus einen wirtschaftspolitischen Rahmen für ökologisch wirtschaftende Betriebe, der gemeinwohlorientiertes Handeln belohnt.

Hanna Gersmann, Chefredakteurin der zeozwei, moderierte das Podium mit den Gästen:

  • Bettina Wyciok (Managerin Nachhaltigkeit Weleda AG)
  • Volker Krause (Geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle)
  • Jan Plagge (Vorstand von Bioland, BÖLW und IFOAM EU)
  • Katharina Reuter (Geschäftsführerin UnternehmensGrün)

Einig waren sich die Panelisten, dass sich die Akteure der nachhaltigen Wirtschaft noch mehr zusammentun müssen. „Wir müssen uns einmischen“, so Jan Plagge. Die politische Stimme der Branche sei wichtig. „Zu glauben, unsere Anliegen brauchen keine extra Lobby, ist ein Irrtum. Wie sollen sich eine Regierung und die Beamten, die eine Entscheidung vorbereiten, ein Bild machen, wenn sie nicht mit Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen und die sich nicht organisieren?“ so Plagge weiter.

Bettina Wyciok von der Weleda AG brachte die Perspektive eines weltweit handelnden Unternehmens ein. Wie setzt man erfolgreich in einem so großen Unternehmen (mehr als 2.300 Mitarbeitende) Nachhaltigkeitsstrategien um? Welche Bedeutung hat ein fairer Handel, auch über Europa hinaus? Volker Krause von der Bohlsener Mühle sieht knallharte ökonomische Vorteile für das nachhaltige Handeln im Unternehmen. Dennoch sei es unfair, dass sich nicht-nachhaltiges Handeln am Markt noch immer rechnet.

Katharina Reuter forderte, dass nicht nur nachhaltiges Wirtschaften gefördert, sondern eben auch nicht-nachhaltiges Wirtschaften stärker sanktioniert werden müsse. Hanna Gersmann wollte wissen, wie es gelingt, auch konservative politische Entscheidungsträger von der Notwendigkeit des Wandels zu überzeugen. Eine Antwort: Die Politik, die wir einfordern, ist ein Gewinnerthema. Man hat die Bürgerinnen und Bürger auf seiner Seite, wenn man sich für Tierschutz, Biodiversität, gesundes Bio-Essen, Menschenrechte in der Lieferkette usw. einsetzt.

Es reicht also nicht mehr, sich nur um die Agrarpolitik zu kümmern. Um einen Markt so zu entwickeln, dass die Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft anerkannt wird, müssen auch andere Politikbereiche adressiert werden.

Lesen Sie hier das Interview mit Jan Plagge zum Thema.