„Wirtschaft anders machen, heißt auch Verantwortung für andere zu übernehmen und nicht nur auf Profit zu setzen“, erklärte Konny Gellenbeck bei den 8. Berliner Unternehmensgesprächen. Neben der Leiterin der taz Genossenschaft berichteten Gregor May, Gebietsbetreuer bei Premium Kollektiv, Benjamin Itter, Mitgründer von Lebenskleidung, und David Griedelbach, Geschäftsführer von Quartiermeister, davon wie sie ihre Unternehmen bereits heute erfolgreich anders gestalten.

Die Veranstaltung fand am 13.09.2017 im Rahmen der Wandelwoche Berlin-Brandenburg statt. Moderatorin Jana Gebauer führte durch den Abend und skizzierte gleich zu Beginn das Bild der Wirtschaft als Eisberg, bei dem man nur die Spitze der wachstums- und profitorientierten Konzerne wahrnehme. Allerdings sei die gesamte Wirtschaft weitaus vielschichtiger. Es gäbe viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die „anders unterwegs sind“: Für sie spielen Wachstum und Profit eine nachgeordnete Rolle, Nachhaltigkeit oder Gemeinwohlinteressen sind hingegen oftmals zentral. Dies träfe sowohl für „normalwirtschaftliche“ KMU wie auch vielfältige „alternativwirtschaftliche“ Akteure und Akteurinnen zu, die marktliches und nicht-marktliches Handeln mischen. Einige von ihnen berichteten an dem Abend aus ihrem unternehmerischen Alltag.

Benjamin Itter und seine Teamkolleg_innen kennen alle Stationen der Lieferkette von Lebenskleidung und überprüfen sie teilweise persönlich. Für Benjamin heißt Wirtschaft anders machen, von Mensch zu Mensch zu arbeiten und alle Aktivitäten stets transparent zu kommunizieren: „Für die Kleidung, die wir am Leib tragen, entsteht für andere Menschen ein großer Aufwand. Dies müssen wir uns alle bewusst machen! Der Unterschied zu anderen Wirtschaftsformen besteht darin, dass man die gegebenen Umstände genauer analysiert und genau dort ansetzt, um etwas zu ändern.“

Auch für Gregor May vom Premium Kollektiv ist Transparenz sehr wichtig: „Wirtschaft macht man anders, indem man Prozesse umgekehrt, Produktionskosten internalisiert und Entscheidungen im Konsens trifft. Unser Betrieb funktioniert vor allem durch die Partizipation.“

Konny Gellenbeck von der taz Genossenschaft sieht ein wachsendes Interesse an der Unternehmensform Genossenschaft: „Ein hohes Mitbestimmungsrecht und Kreativität der Mitarbeitenden sind in einer Genossenschaft am besten zu ermöglichen, vor allem aufgrund der flachen Hierarchien“, so Konny. Für sie bedeutet Wirtschaft anders machen „Verantwortung für andere zu übernehmen und nicht nur auf Profit zu setzen.“

Quartiermeister stellt „korrektes“ Bier her. Entstandene Profite werden teilweise in soziale Projekte investiert, welche durch Konsument_innen ausgewählt werden. David Griedelbach: „Unternehmen sollten normativ aufgebaut sein und es sollte genug Gestaltungsmöglichkeiten geben. Wir arbeiten mit regionalen Brauereien zusammen und ermöglichen Partizipation.“

Auf die Frage aus dem Publikum, ob denn Wachstum mit begrenzten Ressourcen auch nachhaltig sein kann, meinte David: „Wachstum ist nicht per se schlecht, sondern im Einklang mit Umwelt und Mensch ist nichts dagegen zu sagen.“ Diese Frage beschäftigte auch die anderen Podiumsgäste. Gregor von Premium Kollektiv erklärte, dass sein Betrieb derzeit nicht schneller als 10% pro Jahr wachsen möchte, obwohl von der Nachfrage her mehr möglich wäre. Ein zu schnelles Wachstum könnte jedoch auf anderen Ebenen zu Problemen führen.

Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, machte deutlich: „Bevor wir über Degrowth in der grünen Wirtschaft diskutieren, müssen erstmal „die Bösen“ zurücktreten bzw. die nachhaltigen Betriebe wirklich wachsen.” Konny Gellenbeck schloss die Abendveranstaltung mit den Worten: „Mit Nachhaltigkeit können wir Mut machen. Veränderung wird von vielen nachgeahmt, auch wenn man als einzelne Person vielleicht keinen Effekt erkennt.“


Das Format „Berliner Unternehmensgespräche“ ist eine Veranstaltungsreihe von UnternehmensGrün, Gemeinwohl-Ökonomie Berlin/Brandenburg und taz – die Tageszeitung.