Die BKK ProVita ist Mitglied bei UnternehmensGrün und gehört zu den ältesten Krankenkassen Deutschlands. Mittlerweile ist die BKK ProVita die nachhaltigste Krankenkasse Deutschlands und wirtschaftet klimaneutral. Die gesetzliche Krankenkasse macht sich für eine pflanzenbetonte Ernährung stark und wurde für ihr Engagement in Kindergärten und Schulen mit dem Klimaschutz-Award der Vereinten Nationen in der Kategorie “Planetary Health“ ausgezeichnet. UnternehmensGrün ist mit Markus Mosig, Referent für Nachhaltigkeit bei der BKK ProVita, im Interview.

Die BKK ProVita ist die erste klimaneutrale Krankenkasse Deutschlands? Was macht eine nachhaltige Krankenkasse aus?
Wir sind die erste klimaneutrale Krankenkasse: Seit 2016 erstellen wir einen CO2-Fußabdruck. Dieser misst die klimawirksame Ressourcennutzung menschlicher Aktivitäten in CO2-Äquivalenten (CO2e) und gibt somit in etwa an, welchen „Abdruck“ wir als Unternehmen auf der Erde hinterlassen. Seitdem konnten wir unseren Ausstoß kontinuierlich reduzieren: von 1.196 Tonnen CO2e im Jahr 2016, 1.149 Tonnen CO2e 2017 auf 1.108 Tonnen CO2e im Jahr 2018. Im selben Zeitraum blieb lediglich der Anteil für den Pendelverkehr konstant bei 36 Prozent. Um hier besser zu werden, haben wir inzwischen eine Ladestation für E-Bikes und -Autos installiert und fördern Fahrgemeinschaften durch privilegiertes Parken und eine Online-Plattform im Intranet. Home-Office-Lösungen sollen den Pendler-Anteil von 37 % auf 15 % reduzieren und somit unsere Gesamtemissionen um 22 % senken. Unser Reise- und Fuhrparkmanagement reduziert Verbrennungsmotoren, fördert den elektrifizierten Antrieb, fördert das Reisen mit der Bahn und fordert eine Rechtfertigung bei Buchungsanfragen für Flüge. Dadurch konnten wir die Flugkilometer von 79.197 (2017) auf 39.180 (2018) um 40.000 km senken und die Bahnkilometer erhöhen.

Als wirklich nachhaltige Krankenkasse sind wir jedoch mehr als „nur“ klimaneutral. Wichtig ist unser Gesundheitsverständnis im Sinne von „Planetary Health“: Eine intakte Umwelt ist die Grundvoraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden. Um unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht zu werden, haben wir unter anderem über die Initiative TreeDay im letzten Jahr 365 Bäume in Äthiopien gepflanzt. Diese werden im Schnitt 10 Tonnen CO2 pro Jahr speichern. Des Weiteren gibt es bei uns eine sogenannte Blühpatenschaft als Werbeprämie: Versicherte, die neue Mitglieder für uns gewonnen haben, können seit April 2019 zwischen einer Geldprämie von 25 EUR und einer Blühpatenschaft im selben Wert wählen. Blühflächen haben einen hohen ökologischen Mehrwert: Sie dienen als Nahrungs-, Rückzugs- und Bruthabitate für Insekten und Vögel.

Doch auch neben diesen zwei beispielhaften Projekten richten wir unser Handeln nachhaltig aus. Wir stehen für gesunde und nachhaltige Ernährung. Zuletzt haben wir mit dem Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) einen Ernährungswegweiser für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen entwickelt, um gesunde, pflanzenbasierte, nachhaltige Ernährung voranzubringen und langfristig zu etablieren.
Darüber hinaus setzen wir uns intensiv im Bereich Prävention ein: Wir organisieren in Kindergärten und Schulen Informationsveranstaltungen zum Zusammenhang von Ernährung und Klimaschutz, um ein Umdenken bereits in der jüngsten Generation zu bewirken. Allein dadurch konnten wir bereits über 25.000 Kinder und Jugendliche an 41 verschiedenen Schulen erreichen.

Und auch in unserer Organisation arbeiten wir sehr bewusst: Wir formulieren beispielsweise soziale und ökologische Kriterien bei unseren Ausschreibungen, beschaffen nachhaltige Werbemittel ohne Plastik und beziehen Ökostrom aus 100 % regenerativen Energien.

Welche Philosophie steckt dahinter, was treibt euch an?
Wir sehen persönliche Gesundheit und die Gesundheit unseres Planeten als untrennbar miteinander verknüpft. Das Leben auf unserem Planeten ist abhängig von einem intakten Ökosystem. Der Verlust an Biodiversität und Artenvielfalt stellt eine Gefahr für unsere Gesundheit dar, die zu unvorhersehbaren Folgen führen kann. Aus diesem Grund setzen wir uns für gesundheitsfördernde Bewegung, nachhaltige, pflanzenbasierte Ernährung, Achtsamkeit und ökologische Verantwortung ein. Wir sind ein moderner Gesundheitspartner, der Gesundheit ganzheitlich denkt und das Gesundheitssystem mit den richtigen Impulsen verändern möchte.

Welche Leistungen unterscheiden euch?
Wir versuchen, ein Gesamtkonzept zu vermitteln, das unsere Kunden aus ethisch-moralischen Gründen überzeugt. Deshalb möchten wir Menschen ansprechen, die sich mit unseren Werten identifizieren: dem Einsatz für den Klimaschutz, einer nachhaltigen und gesunden Ernährung, gesundheitsfördernder Bewegung und dem bewussten Umgang mit Finanzen. Wenn unsere Kunden diese solidarische Grundeinstellung teilen, möchten wir entsprechendes Handeln zum Beispiel über unser Bonusprogramm fördern.
Im Sinne des Wirtschaftlichkeitsprinzips, dem Krankenkassen als Körperschaft öffentlichen Rechts verpflichtet sind, sind Ausgaben für präventive Maßnahmen stark reguliert und Aufwendungen für alternative Behandlungsmethoden noch schwer zu tätigen. Unser Ziel ist es, dass das Thema Nachhaltigkeit langfristig in der Gesetzgebung verankert wird, um entsprechend nachhaltige Maßnahmen finanzieren zu können!

Ist die BKK ProVita die erste Krankenkasse, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt hat?
Das sind wir, ja! Eben weil wir davon überzeugt sind, dass das ökologische und soziale Umfeld massiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben, möchten wir dieses Umfeld verantwortungsvoll mitgestalten. 2015 sind wir der Gemeinwohl-Ökonomie beigetreten. Die Gemeinwohl-Ökonomie folgt einem verantwortungsvollen Wirtschaftsmodell, bei dem Mensch und Natur oberstes Ziel des Wirtschaftens sind. Alle zwei Jahre erstellen wir einen Nachhaltigkeitsbericht: zum einen, um vollkommen transparent zu sein, und zum anderen, um uns als Organisation strukturieren und weiter verbessern zu können. Für diesen Bericht werden alle Berührungsgruppen einer Organisation (vom Lieferanten bis zum gesellschaftlichen Umfeld) in den Bereichen Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, Mitbestimmung & Transparenz beleuchtet. Der Bericht wird von einem unabhängigen Auditor des Vereins geprüft. 2014/15 haben wir in einer ersten Bestandsaufnahme 374 Punkte, 2016/17 bereits 604 Punkte und im aktuellsten Bericht 2018/19 dann 790 von 1.000 möglichen Punkten erreicht. Das ist ein Spitzenwert!

Wie geht die BKK ProVita mit der Coronakrise um?
Die Corona-Pandemie ist für uns aus zwei Perspektiven von großer Bedeutung:
Zum einen sehen wir, wie die Gesellschaft mit Krisensituationen umgeht. Nachdem es anfänglich zu wenigen Protesten gegen die Corona-Maßnahmen der Politik gekommen ist und diese Maßnahmen in Deutschland sehr gut eingehalten wurden, ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem viele Menschen ihre Unzufriedenheit kundtun. Es geht mir nicht darum, diese Proteste zu bewerten. Aber wenn wir uns bewusst machen, dass gesundheitliche Krisen künftig auf Grund des Klimawandels vermehrt auftreten können, wird deutlich, dass solche Krisen uns alle treffen – weshalb wir uns dafür einsetzen, aktiv für den Klimaschutz einzutreten und somit das Risiko schon im Vorfeld zu vermindern.

Auf der anderen Seite ist in den letzten Monaten das Bewusstsein für den Wert der eigenen Gesundheit bei vielen Menschen deutlich gestiegen. In Zeiten der Veränderung gilt es für uns als BKK ProVita, die Menschen abzuholen und mit ihnen gemeinsam den Weg in eine nachhaltige und gesunde Zukunft zu gehen. Unsere Devise: Tu deinem eigenen Körper etwas Gutes, und du wirst deiner Umwelt ebenfalls etwas Gutes tun!

Die BKK ProVita ist Mitglied bei UnternehmensGrün, dem Bundesverband der grünen Wirtschaft. Warum? Wie zehren Sie von der Mitgliedschaft?
Wir stehen aus Überzeugung für einen partnerschaftlichen Erfahrungsaustausch und sind stets offen für Rückmeldungen und inspirierende Anregungen. Deshalb versuchen wir, ein möglichst großes Netzwerk – sowohl branchenintern, als auch -extern – aufzubauen. Eines unserer größten Ziele ist es, ein Umdenken im Gesundheitswesen herbeizuführen: Wir kämpfen für ein System, in dem Prävention an oberster Stelle steht. Je mehr Unterstützer wir auf diesem Weg für uns gewinnen können, desto größer wird unsere Strahlkraft. UnternehmensGrün bietet uns dabei eine sehr gute Plattform. Andere Branchen, andere Produkte, andere Kund_innen – und häufig dennoch ähnliche Herausforderungen: Genau dieser Aspekt liefert uns einen anderen Blickwinkel auf aktuelle Aufgaben. Von den unterschiedlichen Hintergründen und der identischen Einstellung gegenüber Umwelt und Nachhaltigkeit können alle Partner_innen profitieren.

Markus Mosig (22.10.1993) ist Referent für Nachhaltigkeit bei der BKK ProVita. Nach einer Bankausbildung und einem Wirtschaftspädagogik-Studium (Abschlüsse: Bachelor und Master) arbeitete der 26-Jährige an der Universität Mannheim am Lehrstuhl für Corporate Social Responsibility von Prof. Dr. Laura Marie Edinger-Schons, bevor er im September 2020 seine Tätigkeit als Nachhaltigkeitsreferent der BKK ProVita angetreten hat. Seine Kernaufgabe sieht er darin, den Gedanken von Planetary Health auch im Gesundheitswesen zu etablieren.