Laut einer aktuellen Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago, die im Auftrag des US-Arbeitsministeriums durchgeführt wurde, arbeiten noch immer rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika, wo rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos angebaut werden. Verbraucher_innen in Deutschland müssen also davon ausgehen, dass in ihrer Schokoladentafel mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbeuterische Kinderarbeit steckt. Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit in Westafrika hat in den letzten zehn Jahren trotz Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen. Damit geht rund jedes zweite Kind, das in den landwirtschaftlichen Regionen der Côte d’Ivoire und Ghanas lebt, ausbeuterischer Kinderarbeit nach.

Trotz Versprechen: keine Abnahme von Kinderarbeit
Bereits 2001 hatten Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé im Harkin-Engel-Protokoll versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Zuletzt hatte die Industrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 in Aussicht gestellt. Daraus geworden ist nichts, wie die neue Studie belegt. Die Kinderarbeit hat in den letzten 10 Jahren nicht abgenommen. Gestiegen ist sogar der Anteil der Kinder, die während der Arbeit gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind – auf mittlerweile 24 Prozent.

„Programme zur Bekämpfung der Kinderarbeit erreichen bisher nur einen kleinen Teil der Bauern, auch weil Unternehmen die hohen Kosten für solche Programme scheuen. Menschenrechte gibt es aber nicht zum Nulltarif,“ stellt Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte des INKOTA-Netzwerks, fest.

„Es besteht eine dringende Notwendigkeit, Lieferbeziehungen transparent und resilient zu gestalten, da die unternehmerische Verantwortung nicht am Firmentor endet.“, betont Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün.

UnternehmensGrün begrüßt die Anstrengungen für ein europäisches Lieferkettengesetz und fordert die Bundesregierung auf ein ambitioniertes Lieferkettengesetz zu verabschieden. Die Forderungen im Einzelnen sind im “Positionspapier Lieferkettengesetz” von UnternehmensGrün nachzulesen. Zudem hat der Verband die Forderung des Landtages Schleswig-Holstein nach einem Lieferkettengesetz auf Bundesebene in einer schriftlichen Stellungnahme begrüßt. Die Verhandlungen über Eckpunkte für ein Lieferkettengesetz wurden im Bundeskabinett zuletzt jedoch mehrmals vertagt, weil Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine starke gesetzliche Regelung blockiert.

Jetzt E-Mail an Wirtschaftsminister Altmaier schreiben