“Wir müssen die IT-Ressourcen in den Unternehmen reduzieren und gleichzeitig eine Digitalsouveränität in den Firmen schaffen. Es geht darum, interne Digitalkompetenzen aufzubauen, so dass sie die Nutzung ihrer digitalen Tools kontrollieren können“, so Nele Kammlott, Geschäftsführerin der kaneo GmbH und Vorständin von UnternehmensGrün.

Der diesjährige Digital-Gipfel der Bundesregierung fand unter dem Motto Digital nachhaltiger leben statt. Wenn es um Digitalisierung und Nachhaltigkeit geht, war bislang meist die Hardware im Fokus. Nele Kammlott diskutierte am 30. November hingegen das Thema „Nachhaltige Software – Methoden und Praxis”. Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde das Nachhaltigkeitspotenzial von Software von den folgenden Expert_innen in den Blick genommen:

  • Tabea Rößner, MdB Sprecherin für Netzpolitik und Verbraucherschutz der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • Dr. Oliver Grün, BITMi Präsident
  • Nele Kammlott, Geschäftsführerin der Kaneo GmbH – green IT solutions, Vorständin UnternehmensGrün
  • Prof. Dr. Stefan Naumann, Professor für Umwelttechnik und angewandte Informatik, Umweltcampus der Hochschule Trier

Das Panel war sich weitgehend einig: Offene Schnittstellen seien eine wichtige Möglichkeit für eine nachhaltige Digitalisierung und Schnittstellen-Recycling. Ebenso müsse ein längerer Lebenszyklus und die Wiederverwendung von Hardware in den Blick genommen werden. Nele Kammlott: “Ich wünsche mir, dass öffentliche Verwaltungen und Kommunen sich einfach mehr trauen. Die Verwendung von quelloffener Software ein wichtiger Baustein für nachhaltige IT-Strukturen.”

Quelloffene Software wird ein wichtiger Baustein, da durch offene Schnittstellen verwendete Software besser miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt werden kann. Die Software kann zudem angepasst und weiterentwickelt werden. Dadurch können IT-Ressourcen besser ausgeschöpft werden und vorhandene Hardware kann länger verwendet werden.

„Wenn Schulen, die gerade mit Homeschooling die Digitalisierung voranbringen, ihr Netzwerk selbst aufstellen, quelloffene Software verwenden, gebrauchte Hardware verwenden – dann können die Schülerinnen und Schüler eine eigene Digitalkompetenz entwickeln und lernen zu programmieren. Das ist wiederum hochspannend für den Arbeitsmarkt“, ist Nele Kammlott überzeugt.

Hintergrund: Vor 11 Jahren wurde das Thema Green-IT durch die Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ eingesetzt – allerdings bisher zu wenig bearbeitet. Durch modulare Designs für Elektrogeräte könnten schon heute z.B. Akkus entnommen und repariert und dadurch Geräte wiederverwendet werden. Eine wichtige Forderung von UnternehmensGrün ist hierbei das Recht auf Reparatur. Neue Softwareprogramme sind tendenziell immer ressourcenhungriger, aber für alte Software gibt es das Problem, Support für die Pflege und Weiterentwicklung zu finden. Um Hardware länger nutzen zu können, sind offene Schnittstellen notwendig. Und natürlich ist Green IT und Sustainable Software auch ein Bildungsthema – es muss in die Lehre und ein normaler Bestandteil der Ausbildung werden. Prof. Naumann führte aus, dass die Messung und Visualisierung von Energie- und Ressourcenverbräuchen von Soft- und Hardware-Systemen über den gesamten Lebenszyklus soweit standardisiert werden sollten, dass man ein umfassendes Labeling hat. Dieses Labelsystem unterstützt dann die Verbraucher_innen dabei, ressourcenfreundlichere Produkte zu kaufen. Für die Gesellschaft und die Wirtschaft sollte es normal werden, dass man die Ressourcenverbräuche für die Informationstechnik hinterfragt. Nachhaltige, wiederverwendbare Software sollte überall in der Programmierung bis zur Anwendung Standard werden. Dr. Grün, Präsident BITMi (Bundesverband IT-Mittelstand) wies darauf hin, dass die Ressourcen für die IT zu minimieren seien und Digitale Souveränität in Form von Gestaltung von Digitalisierung für deutsche und europäische Softwarecodes erreicht werden müsste. Software sollte z.B. im Leerlauf keinen Verbrauch haben, damit Prozessoren nicht unnötig belastet werden und der Lebenszyklus von Hardware verlängert wird. Damit fällt auch weniger Elektroschrott an. Mittelständische Softwarelösungen sollten sich über offene Schnittstellen vernetzen, damit ein Wechsel zwischen den Systemen möglich ist und die Programmierung von Schnittstellen weiterverwendet werden.