Interview mit Sebastian Koeppel, Geschäftsführer der beckers bester GmbH

Kürzlich machten Mitglieder der Unionsparteien mit der Gründung der „KlimaUnion“ Schlagzeilen. Klimaschutz und die Verpflichtung zum 1,5 Grad-Ziel soll nun endlich auch in der CDU/CSU eine entscheidende Rolle spielen. Auch Sebastian Koeppel, Geschäftsführer des BNW-Mitglieds beckers bester (mittelständischer Fruchtsafthersteller) ist Gründungspate. In einem Interview erzählt er von seinem Engagement und den gesellschaftlichen Pflichten als Unternehmer.

Du bist seit zwei Jahren im Vorstand des Wirtschaftsrats der CDU und auch Gründungspate der KlimaUnion. Was erhoffst du dir von diesem Engagement? Was sind die Herausforderungen?
Aus meiner persönlichen Sicht machen zu viele Menschen Lobbyarbeit in ihrem eigenen unmittelbaren Interesse und übersehen dabei, dass sie als Bürger:innen nicht nur gesellschaftliche Verantwortung tragen, sondern die Folgen z.B. des Klimawandels auch die eigenen wirtschaftlichen Interessen gefährden. Und daraus leitet sich auch der Grund für mein Engagement ab. Ich will dort einbringen was meiner Meinung nach gut für die Gesellschaft ist: Ich möchte, dass die Politiker:innen aller Parteien, aber insbesondere in der Union, endlich realisieren, dass diese Themen höchste Relevanz haben und auch Unternehmer:innen aus der traditionellen Wirtschaft heute anders denken.

Warum gewinnt Klimaschutz und Nachhaltigkeit für Unternehmen zunehmend an Bedeutung?
Für uns ist das Thema Nachhaltigkeit keines, das vom Markt aus Relevanz für uns bekommen hat. Es kommt aus uns selber. Ein Unternehmen besteht aus Menschen. Für viele der Mitarbeiter:innen bei uns hat die Wertschätzung für Mensch und Natur eine hohe Priorität. Es gibt immer mehr Menschen, die ihre innere Haltung entsprechend verändert haben. Wenn auch nur langsam, verändert das auch die Märkte und bekommt damit auch Relevanz für die Unternehmen, in denen es noch größere Barrieren gegen dieses Thema gibt.

Was ist deine persönliche Motivation, dich für den gesellschaftlichen Wandel einzusetzen? Welche Rolle hat die Wirtschaft dabei?
Gründe für einen Wandel gibt es aus meiner Sicht genügend. Wir sind ein Familienunternehmen in vierter Generation und haben schon viele Veränderungen erlebt. Aber mehr denn je sind wir gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Schließlich wollen wir unseren Kund:innen Produkte anbieten, auf die wir stolz sein können. Und das geht nur, wenn Mensch und Umwelt während des gesamten Herstellungsprozesses mit Respekt begegnet wird. So sehe ich der Arbeit in der PANAO (Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft) mit großer Hoffnung entgegen, um langfristig Deutschlands beliebtesten Saft durchweg nachhaltig zu produzieren.

Wie wir derzeit mit uns selber, unseren Mitmenschen und der Natur umgehen, brennt über kurz oder lang alle aus. Meiner Meinung nach liegt da der Hebel bei uns. Wir brauchen Persönlichkeitsentwicklung hin zu einem reflektierten Umgang mit uns selbst. Wir brauchen dafür eine andere Kultur – in der Schule, in der Politik und ganz besonders auch am Arbeitsplatz. Unternehmen fällt also eine mehrfache Verantwortung zu. Selbstorganisierte Zusammenarbeit, die den Menschen wieder ermöglicht, Verantwortung zu erlernen und übernehmen und ein ganzheitlicheres Denken zu entwickeln. Die Unternehmen sollten aber auch in der Öffentlichkeit Stellung beziehen und sich an der gesellschaftlichen Meinungsbildung in einem konstruktiven respektvollen Dialog beteiligen – weg von einer wettbewerbsorientierten und hin zu einer kooperativen Marktwirtschaft.

Über die beckers bester GmbH
1932 wurde die beckers bester GmbH durch Bertha Becker in Lütgenrode gegründet. Das mittelständische Unternehmen stellt seit damals Fruchtsäfte und Nektare her und wird heute von Sebastian Koeppel, Berthas Urenkel, geführt. Dabei lassen sich die beckers in ihrem Handeln von ihren Werten Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Offenheit leiten. Sie wollen nachhaltig Verantwortung für Mensch und Natur übernehmen und die Welt mit ihren Kund:innen jeden Tag gemeinsam besser machen. So ist becker bester Gründungsmitglied von PANAO (Partnerschaft für nachhaltigen Orangensaft) und seit 2015 klimaneutral (Scope 1-3). Seit 2020 gleicht das Unternehmen auch die CO2-Emissionen für ihre Produkte aus.