Ein Gastbeitrag von Wildling Shoes

“Ausverkauft? Das macht ihr doch mit Absicht, um Begehrlichkeiten zu wecken!” – In der Wildling Community wird ab und zu die Frage gestellt, ob die Menge mancher Schuhmodelle aus verkaufsstrategischen Gründen bewusst begrenzt ist. Dass ein Modell oder eine Größe ausverkauft ist, kommt immer mal wieder vor. Dahinter steckt aber keine Marketingstrategie, sondern die ernsthafte Arbeit daran, innerhalb der Modeindustrie neue Wege hin zu “Slow Fashion” zu finden, um bessere Bedingungen für Mensch und Natur zu schaffen.

Aus dem konventionellen Handel sind viele Kund:innen “Fast Fashion” gewohnt: ständig wechselnde Kollektionen und Designs, Materialien mit einer kurzen Haltbarkeitsdauer, Niedrigpreise, Sales und ständige Verfügbarkeit.

Im Gegensatz dazu gibt es bei Wildling nur zwei Kollektionen pro Jahr, nachhaltig hergestellte, langlebige Materialien und keine fest eingeplante Sales. Die Arbeit an einer  Wildling Kollektion beginnt ungefähr ein Jahr im Voraus. Die Order für die kommende Saison muss also schon erstellt werden, während die aktuelle noch in vollem Gange ist.

Klasse statt Masse
Als junges und schnell wachsendes Unternehmen ist es kaum möglich, die Verkaufszahlen für das kommende Jahr exakt zu planen. Selbst bei optimistischen Planungen gab es bisher noch jedes Mal Überraschungen und einzelne Modelle verkaufen sich weniger – oft aber auch viel schneller und in höheren Stückzahlen, als gedacht und erhofft.

Fast Fashion löst dieses Problem durch Massenproduktion, sodass alle, die einen Schuh in einer bestimmten Größe und Farbe haben möchten, diesen auch auf jeden Fall bekommen. Die Kehrseite: Dabei bleiben natürlich auch mehr Schuhe übrig, die sich nicht so schnell verkaufen. Um überzählige Artikel doch noch zu verkaufen, setzt Fast Fashion dann auf massiv reduzierte Sale-Preise oder gar die “Entsorgung” der Produkte.

Mit den Wildling Prinzipien des nachhaltigen, ökologischen und fairen Handelns passt das nicht zusammen. Auch im Fashion-Bereich sind andere Wege möglich.

Das Gute liegt so nah
Dazu gehört auch, dass uns eine transparente Hersteller- und Lieferkette am Herzen liegt. Deshalb setzt Wildling auf Materialien und Schuhe, die nachhaltig in Europa hergestellt werden. Auch das ist eher unüblich, denn wenn man Stoffschuhe macht, zum Beispiel Sneakers, findet man das entsprechende Know-How eher in Asien als in Portugal. In Asien hat man jahrelange Erfahrung mit Stoffschuhen, geschultes Personal und Maschinen in großen Fabriken.

Wildling hat sich aus verschiedenen Gründen dennoch für Portugal entschieden: Die örtliche Nähe ermöglicht es dem Unternehmen, die Produktion zu begleiten und obwohl der Fokus traditionell nicht auf Stoffschuhen liegt, gibt es dort eine gewachsene handwerkliche Expertise in Sachen Schuhherstellung. Dazu kommt: Produktionsfirmen lassen einige Arbeitsschritte von sogenannten Zulieferern ausführen. Dass auch diese faire Arbeitsbedingungen bieten, lässt sich bei kürzeren Wegen innerhalb Europas leichter im Blick behalten.

Challenge accepted
All diese Schritte innerhalb Europas zu gehen, bedingt höhere Produktions- und Personalkosten als das zum Beispiel in Asien der Fall wäre. Das ist es uns wert. Es bedeutet aber auch, dass wir die Menge an Materialien, die für die Produktion benötigt werden, sehr genau planen müssen. Wenn größere Mengen an Schuhen im Lager übrig bleiben würden, wäre das für Wildling nicht wirtschaftlich und für die Welt nicht nachhaltig. Im Sinn von Slow Fashion kann man es deshalb letztlich als ein sehr gutes Zeichen sehen, wenn Wildling Schuhe manchmal ausverkauft sind.

Wildling probt immer wieder den Balanceakt zwischen einem möglichst ausreichend großen Angebot und einer nachhaltigen Herstellungs- und Produktionsweise. Diese Balance soll und wird nicht zugunsten von Massenproduktion kippen. Wildling erlaubt sich die Zeit für ein gesundes Wachstum. Dieser Weg birgt Herausforderungen, aber ist etwas, was Wildling Shoes ausmacht.

Fotocredits: Wildling Shoes