Die erstmalig durchgeführte Jahrestagung des europäischen Verbandes Ecopreneur.eu stand ganz im Zeichen des Themas “Sustainable Champions to the Fore!”. Im Rahmen der Veranstaltung moderierten BNW-Geschäftsstellenleiterin Franziska Keich und Bettina Roth, Leiterin für Qualitätsmanagement und CSR Supply Chain bei VAUDE, die Break-Out-Session “Due Diligence: Supply Chain im Fokus”.

Zunächst gab Franziska Keich (BNW) den Teilnehmenden einen kurzen Überblick über die aktuelle politische Situation in Bezug auf die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette in Deutschland und der EU. Mit der Verabschiedung des deutschen Lieferkettengesetzes wurden zwar erste Schritte in Richtung Transparenz- und Sorgfaltspflichten unternommen, laut des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft gibt es allerdings noch Verbesserungsbedarf. Umso wichtiger sei die Entscheidung über eine strengere Regelung auf EU-Ebene, zum Beispiel die „Corporate Sustainability Reporting Directive“.

Auch für den Outdoor-Textilhersteller VAUDE sind Transparenz und nachhaltige Lieferketten essentiell, vor allem, da die Textilproduktion massive Umweltprobleme verursacht und mit Menschenrechtsverletzungen einhergeht. In ihrem Vortrag beschrieb Bettina Roth, Leiterin Qualitäts- und Lieferkettenmanagement bei VAUDE, wie das Unternehmen als familiengeführter Mittelständler seine Lieferkette anhand sozialer und ökologischer Standards umwandelte. Aufgrund der Komplexität, einer hohen Anzahl von Lieferanten und gleichzeitig geringen Verhandlungsmacht des Unternehmens, kam es dabei zu großen Herausforderungen, u.a. musste das Unternehmen erstmal Expertise in den Bereichen Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen und Chemikalien aufbauen, ein Monitoringsystem einführen und die Partner:innen in Asien von der Anpassung der Produktion überzeugen. Gleichzeitig führten die Veränderungen zu verbesserten Beziehungen zu den Partner:innen,  Wertschätzung durch die Kund:innen und auch zu Innovationen – zum Beispiel die Wiedernutzung alter Reifen als Material für die Produkte.

Aufgrund der Bemühungen hat VAUDE jedoch Nachteile im Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Ein Lieferkettengesetz könnte dabei helfen, ein level-playing field zu erreichen. Bisher würden viele Unternehmen – auch VAUDE – jedoch gar nicht unter die Vorgaben fallen. Dennoch bleibt Bettina Roth optimistisch und weist darauf hin, dass die Sorgfaltspflicht für die Lieferkette viele positive Nebeneffekte habe, wie zum Beispiel das Gefühl für wahre Preise und damit gleiche Wettbewerbsbedingungen. Auch die aktuellen Entwicklungen bezüglich nachhaltigkeitsorientiertem Konsumverhalten in der Gesellschaft sähen vielversprechend aus.

In einer Diskussion, moderiert von Franziska Keich (BNW), wurden Gedanken zum CSR-Management sowie zur Berichterstattung und Zertifizierung im Auftrag von EU-Standards und der Kreislaufwirtschaft zwischen dem Publikum und den Referent:innen ausgetauscht. Einer der Vorteile einer transparenten Lieferkette ist in Roths Augen die Stabilität und Agilität bei disruptiven Ereignissen wie der COVID-19-Pandemie oder aktuellen Diskussionen über die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten auf dem Markt.