Nachhaltigkeit sei einer der wichtigsten Megatrends dieses Jahrzehnts, wurde vor der Coronakrise getitelt. Katharina Reuter ist im Sommer 2020 der Frage nachgegangen, ob diese Formel auch in und nach der Coronakrise gültig bleibt. Und sie hat sich angeschaut, welche Schlüsse Unternehmen und Politik daraus ziehen können.
Von Katharina Reuter, zuerst erschienen in Ökologisches Wirtschaften, Fachzeitschrift, 2020

Die Corona-Krise und die damit ausgelöste Ausnahmesituation stellte die Wirtschaft weltweit vor enorme Herausforderungen. Auch in Deutschland waren (und teilweise immer noch sind) viele Betriebe und Unternehmen stark unter Druck. Aber die Krisensituation machte auch eines deutlich. Nachhaltige Unternehmen und Investments sind resilienter gegenüber Krisen, weil sie ihre Risiken langfristiger und entsprechend einer ganzheitlichen Betrachtung von Auswirkungen auf Mensch und Umwelt managen.

Nachhaltige Konjunkturprogramme schaffen Arbeitsplätze
Die nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen gaben in einer BNW-Umfrage an, dass sich ihre nachhaltig ausgerichteten Geschäftsmodelle auch in der Krise von Vorteil erweisen. Gleichzeitig herrschte eine große Zuversicht, die Ausnahmesituation erfolgreich zu bewältigen – mehr als 84 % waren sehr zuversichtlich beziehungsweise zuversichtlich, die Herausforderungen der Krise zu meistern. Das bildete sich auch am Finanzmarkt ab. In der Krise erzielten nachhaltig ausgerichtete Portfolios bessere Ergebnisse als traditionelle Portfolios. Aktienfonds mit Environmental, Social, and Governance (ESG) Kriterien verloren im ersten Quartal 2020 weniger an Wert als ihre konventionellen Konkurrenten (Scope-Studie, Börse ARD 05/2020). Die dunkle Seite der (Lobby-)Macht, die Klimaschutznörgler:innen und -bremser witterte in der Coronakrise ihre Chance, ungeliebte Klimapakete loszuwerden oder zumindest aufzuschieben. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Autolobby meldeten sich zu Wort. Nationale CO2-Bepreisung wie im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung beschlossen? Bloß nicht, das könne man jetzt der Wirtschaft nicht zumuten, das müsse man um zwei Jahre verschieben. Strengere CO2-Grenzwerte für die Flotten der Autoindustrie? Nein, das ginge in der Krise nun wirklich nicht. Dabei haben Konjunkturpakete, die Synergien zwischen Klima- und Wirtschaftszielen anstreben, bessere Aussichten, den nationalen Wohlstand langfristig zu steigern. Grüne Projekte schaffen mehr Arbeitsplätze. Grüne Konjunkturprogramme bringen pro eingesetzten Mitteln höhere kurzfristige Renditen und führen langfristig zu höheren Kostenersparnissen als traditionelle Konjunkturpakete (Oxford Smith School of Enterprise and the Environment 05/2020).

Lesen Sie im weiteren Text, welchen Rahmen ein mutiger nachhaltiger Neustart der Wirtschaft braucht und warum Nachhaltigkeit den Kern eines neuen Wertegerüsts bildet:

>> Weiterlesen

Quelle:
Reuter, K. (2020). Die Corona-Pandemie stärkt nachhaltiges Wirtschaften. Ökologisches Wirtschaften – Fachzeitschrift, 33(3), 9. https://doi.org/10.14512/OEW350309