Ein Gastbeitrag von Florian Schmiedler, THE CLIMATE CHOICE (BNW-Mitglied)

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland will bereits perspektivisch klimaneutral werden (Quelle: Bitkom). Aber wie kommen wir von gesetzten Klimazielen zur praktischen Umsetzung? Über diese Frage haben im Juni 2021 beim online CLIMATE TRANSFORMATION Summit 50 Expert:innen sowie 600 Teilnehmer:innen aus der gesamten DACH-Region diskutiert.

“Bis heute fehlen uns die praktischen Maßnahmen zur Umsetzung eines 1,5 °C gerechten Klimaplans – in Deutschland und weltweit. Unternehmen stehen somit vor der Herausforderung, die größte und schnellste Transformation der Wirtschaft überhaupt umzusetzen, ohne bislang einen konkreten Fahrplan in der Hand zu halten. Als CLIMATE Community können wir voneinander lernen und im entscheidenden nächsten Jahrzehnt Emissionen bis in die Lieferkette hinein drastisch reduzieren und eine regenerative Zukunft gestalten!”, Lara Obst, Mitgründerin und Geschäftsführerin von THE CLIMATE CHOICE.

Klimaleistung ganzheitlich erfassen
Die wichtigsten Einblicke, Best Practices und klimarelevanten Erkenntnisse des Summits sind nun im Best Practice Guide 2021 zusammengefasst. Als zentralen ersten Schritt nennt dieser zunächst die ganzheitliche Erfassung der unternehmerischen Klimaleistung. Denn der Grund, warum aktuell die CO2-Reduktion in der Praxis der Klimatransformation zugunsten von Kompensation weitestgehend vernachlässigt wird, liegt in der mangelnden Verfügbarkeit klimarelevanter Daten. Ohne sie lassen sich Reduktionspotenziale nicht erkennen und Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette nur schwer nachvollziehen.

Eine gründliche Status-Quo-Analyse über die Klimaperformance eines Unternehmen bleibt daher nicht nur bei der Berechnung von CO2-Emissionen stehen, sondern zeigt ebenso auf, in welchem Ausmaß, Intensität und Schnelligkeit Klimaziele umgesetzt werden. Wertvolle Orientierung für diese Faktoren des klimakompatiblen Wirtschaftens bieten unter anderem die international anerkannten Vorgaben der EU-Taxonomie, des nicht-finanziellen Reportings oder das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol). Als Ergebnis gibt die Klimaleistung eines Unternehmens so darüber Aufschluss, mit welchen Maßnahmen die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Klimawirkung sowie die Dekarbonisierung von Unternehmenstätigkeiten entlang der Lieferkette verfolgt wird.

Der größte Hebel liegt in der Lieferkette
Vor allem letzterer Punkt ist dabei entscheidend, denn bis zu 90 % der gesamten Emissionen eines Unternehmens entstehen in der Lieferkette. Die allermeisten Unternehmen können ihre eigenen Klimaziele daher nur erreichen, wenn sie ihre Lieferkette genau verstehen und aktiv mit ihren Lieferanten zusammenarbeiten.

Zum Verständnis der eigenen Lieferkette braucht es wiederum entsprechende klimarelevante Daten. Diese lassen sich im kollaborativen Austausch und zur Berechnung des Scope-3-Fußabdrucks erheben. Mithilfe von Klima-Scorecards und Potenzialanalysen können Unternehmen die Klimaleistung der eigenen Lieferkette nachverfolgen und entlang gesetzter Prioritäten optimieren. Die Lieferanten müssen hierfür aktiv einbezogen werden – denn Reduktionsziele lassen sich letztlich nur gemeinsam umsetzen.

Dekarbonisierung in 7 Impact-Kategorien
Eine weitere Erkenntnis des Summit: Viele technische Lösungsansätze für eine effektive und langfristige Dekarbonisierung der Wirtschaft sind bereits vorhanden! Diese lassen sich in folgende 7 Impact-Kategorien zusammenfassen.

  • Energie – u. a. Wechsel des Energieversorgers und Nutzung von 100 % Ökostrom
  • Gebäude und Büro – u. a. Nutzung smarter Heiz- und Kühlsysteme beispielsweise durch Steuerung über Gebäudemanagementsysteme und einzelne IoT-Lösungen
  • Industrie und Produktion – u. a. Ermittlung besonders klimarelevanter Parameter in der Lieferkette durch eine Status-Quo-Analyse
  • Mobilität – u. a. Einsatz alternativer Transportmöglichkeiten, wie beispielsweise Cargo-Bikes, E-Bikes, Fahrräder oder E-Trailer
  • Food – u. a. automatisierte Datenerhebung zu Lebensmittelabfällen, um Warenverluste sichtbar zu machen und effiziente Maßnahmen zu ergreifen
  • Digitales und Service – u. a. Einsatz von Softwarelösungen zur Messung vergleichbarer Emissionsdaten für das Emissions- und CSR-Reporting
  • Umwelt – u. a. Förderung von Grünflächen auf Firmengeländen und im urbanen Raum

Der Best Practice Guide 2021
Weitere Informationen, Maßnahmen und Lösungsanbietende der einzelnen Impact-Kategorien finden sich im Best Practice Guide. Dieser beinhaltet darüber hinaus Kernaussagen u. a. von Prof. Dr. Claudia Kemfert, Dr. Jonathan Foley (Project DrawDown) und Katharina Beck (Bündnis 90/Die Grünen) sowie zehn praxisnahe Schritte zur zukunftsorientierten Dekarbonisierung von Unternehmen entlang der Lieferkette.

Der Guide kann hier kostenlos heruntergeladen werden.


Florian Schmiedler ist als Climate Communication Lead verantwortlich für die Kommunikation von THE CLIMATE CHOICE, der klimadaten-getriebenen B2B-Plattform zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihren Lieferketten.