Viele Unternehmen machen sich auf den Weg zur Klimaneutralität, aber das kostet Geld. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, fördert der Bund Zukunftsinvestitionen mit dem Programm: „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW)“.  Zum 1. November stand eine Novellierung des Programms an. Mit Tatjana Ruhl, die bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) für den Themenbereich Dekarbonisierung in der Industrie verantwortlich ist, haben wir darüber gesprochen, was das für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bedeutet.


Was ist das Förderprogramm: „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW)?
Das EEW-Programm ist das größte Förderprogramm des Bundes im Bereich Energieeffizienz – jenseits der Gebäudeförderung. Antragsberechtigt sind Unternehmen aller Größenklassen. Neben der klassischen Zuschuss-Förderung gibt es auch einen Förderwettbewerb und zinsverbilligte Kredite. Die Antragstellung erfolgt, je nach Programmteil beim BAFA, der KfW oder dem VDI/VDE-IT. Gängige Einzelmaßnahmen können Unternehmen eigenständig beantragen, bei komplexeren Maßnahmen braucht man zertifizierte Berater:innen.

Das EEW ist Anfang 2019 angelaufen, seit dem 01. November gibt es eine Novellierung des Programms. Was bleibt?
Tatsächlich bleibt das meiste gleich. Die etablierten vier Fördermodule werden (mit kleinen Änderungen) fortgeführt. Es gibt also weiterhin Förderungen für Einzelmaßnahmen aus dem Bereich der Querschnittstechnologien, für Prozesswärme aus erneuerbaren Energien, für Soft- und Hardware rund ums Energiemanagement sowie für komplexere Prozessoptimierung.

Auf welche Neuerungen können sich Unternehmen einstellen?
Mit der Novelle sind zum 01. November 2021 zwei neue Fördergegenstände zusätzlich eingeführt worden: Ressourceneffizienz und so genannte Transformationskonzepte. Hinter dem etwas sperrigen Begriff „Transformationskonzepte“ verbirgt sich ein geförderter Masterplan für Unternehmen, die klimaneutral werden wollen. Bis zu 80.000 Euro Förderung kann man erhalten, wenn man sich bei einem solchen Konzept von Berater:innen unterstützen lässt. Im Zusammenhang mit Ressourceneffizienz sind nun Materialwechsel und Materialeinsparung neu förderfähig.

Welche Fördermöglichkeiten sind für kleine und mittlere Unternehmen besonders spannend?
Eigentlich alle. Die Fördersätze sind für KMU durchgehend höher und sehr attraktiv. Für die Beantragung ist nicht so sehr die Unternehmensgröße relevant, sondern eher die Frage, wie komplex das Vorhaben ist. Im Zweifel helfen zahlreiche Energieberater:innen.

Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie vom EEW profitieren wollen?
Man sollte unbedingt das Kleingedruckte zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn lesen. Im Regelfall ist es – wie bei fast jeder staatlichen Förderung – so, dass nur Maßnahmen gefördert werden können, die noch nicht begonnen wurden. Hier sollte man genau schauen, welche Verträge man vor Antragsstellung schon unterschreiben darf.

TatjanaRuhlDENEFF

Dr. Tatjana Ruhl
Leitung “Dekarbonisierung der Industrie” bei DENEFF

Dr. Tatjana Ruhl verantwortet bei der DENEFF den Themenbereich Dekarbonisierung in der Industrie. Mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hat sie an der Freien Universität Berlin zum Thema Energieeffizienzpolitik promoviert. Energieeffizienz begleitet sie schon ihre gesamte berufliche Laufbahn – zunächst im Wirtschafts- und Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt, später bei einem Energiedienstleister.