Mit der Zielstellung Ökologie und Ökonomie zu verbinden, hat sich BNW-Mitglied STS Textiles, als vollstufiger Hersteller von Matratzenbezugsstoffen und technischen Textilien, der Herausforderung der Energieeffizienz gestellt. Das Unternehmen konnte eine Photovoltaikanlage mit einer Kapazität von nahezu einem Megawatt in Betrieb nehmen. Diese deckt den gesamten Eigenverbrauch der Produktion und versorgt einen Teil der umliegenden Wohngebäude mit sauberer Energie. Wir sprechen mit dem Gründer und Geschäftsführer von STS Textiles Markus Tutsch im Interview.

STS Textiles sind seit kurzem Mitglied im BNW. Was macht das Unternehmen?
STS Textiles stellt gestrickte Bezugsstoffe her. Diese finden in Betten, Kissen und Matratzen ebenso Anwendung wie in Liegeflächen von Fahrzeugen, als Sitzbezüge und Ausstattungsmaterial in Schiffen und Hotels.

Daneben werden Stoffe für Wäsche und rein technische Anwendungen, so z.B. Filter, Wärmetauscher, Verschattung, hergestellt. Mit ca. 12 Mio. m² haben wir einen Marktanteil von ca. 35 % in Deutschland und sind darüber hinaus in den angrenzenden Ländern tätig. Als eines von wenigen Unternehmen ist unsere Produktion sehr weit integriert, d.h. wir beginnen mit Fäden und Stricken, Veredeln und Konfektionieren nach den Vorgaben unserer Kund:innen.

In den letzten 4 Jahren ist das Unternehmen stark gewachsen. Bei den Investitionen haben wir großen Wert daraufgelegt, den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Die Erzeugung von Dampf wurde komplett elektrisch gelöst und die Veredlungstechnik kommt ohne Abwasser und Abluft aus, was ein technischer Meilenstein in der Veredlung unserer Stoffe ist. Wir sehen es als unsere Aufgabe Stoffe mit einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck bei kurzen Lieferzeiten zu produzieren. Dabei entwickeln wir zusammen mit Kund:innen Lösungen die auch die Rohstoffe einbeziehen.

Sie haben vor Kurzem eine neue Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen und sind dadurch klimapositiv. Wieso setzen Sie sich für den Klimaschutz ein? Welche weiteren Nachhaltigkeitsmaßnahmen haben Sie durchgeführt bzw. planen Sie zurzeit?
Die Photovoltaik-Anlage ist Teil des Energiekonzeptes für die Produktion. Damit ist es möglich die größten Energieverbraucher mit vor Ort erzeugter Energie zu versorgen. Dabei steuern wir die Anlagen so, dass wir möglichst viel Eigenstrom verwenden. Die Kombination aus eigener Energieerzeugung und intelligenter Steuerung, erlaubt es uns Ökologie und Ökonomie effektiv zu verbinden und unsere Produktionskosten zu senken. In diesem Jahr haben wir die Heizungsanlage erneuert und den bestehenden Pelletkessel optimiert um den Verbrauch an nachwachsenden Rohstoffen zu reduzieren. Aktuell sind wir dabei die Fahrzeugflotte auf E-Mobilität umzustellen. Derzeit sind etwa 50 % der PKW bereits voll elektrisch.

Sie produzieren Ihre Textilien am Standort Deutschland. Wie gehen Sie mit den Herausforderungen in der Branche um, z.B. durch günstige Ware aus dem Ausland? (+ggf. Ist es für Sie herausfordernd, geeignete Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu finden?)
Seit Gründung des Unternehmens in 2008 haben wir erlebt, dass alle wesentlichen deutschen Wettbewerbsunternehmen aufgegeben haben. Unsere Philosophie hat uns bisher erfolgreich durch alle Krisen geführt. Durch die integrierte Ausrüstung in unserer Fertigung, kurze Wege und effektive Fertigungsmethoden können wir in sehr kurzer Zeit auf Anforderungen unserer Kund:innen reagieren. Geschwindigkeit ist unser Markenzeichen! In der Zeit in der ein Transport aus Asien nach Europa unterwegs ist haben wir Aufträge längst geliefert. Die schnell wechselnden Anforderungen, der Online-Handel und die zuletzt stark gestiegenen Frachtkosten erhöhen die Nachfrage nach kurzen Wegen und schneller Lieferung. Das können wir von unserem Standort in Deutschland anbieten.

Wir haben bisher nur wenige Mitgliedsunternehmen in Ostdeutschland. Wo sehen Sie hier Entwicklungspotential im Bereich der nachhaltigen Wirtschaft?
Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Unternehmen die ihren Hauptsitz in den alten Bundesländern haben und den “original” ostdeutschen Unternehmen. Bei Letzteren sehen wir großes Interesse sich mit Nachhaltigkeit und Ökologie zu beschäftigen. Viele Unternehmen sind verhältnismäßig klein und verfügen nicht über die Ressourcen sich intensiv mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und das nach außen zu kommunizieren. Intern werden diese Gedanken jedoch im Sinne von Ressourcen schonen durchaus umgesetzt. Sicherlich ist das noch kein flächendeckender Trend, aber die Entwicklung geht weiter in diese Richtung. Oft fehlt es an der Außenkommunikation.

Markus Tutsch, Gründer und Geschäftsführer von STS Textiles

Markus Tutsch ist 53 Jahre alt und verheiratet. Nach einer Ausbildung als Maschinenführer in der Textilindustrie und Baumwollspinnereien absolvierte er sein Abitur und ein Studium als Textilingenieur. Bis er sich 2005 selbständig machte, war Markus Tutsch in verschiedenen Unternehmen international tätig. 2008 gründete er mit STS Textiles eine eigene Produktion. Das Unternehmen hat bereits mehrere Auszeichnungen für Innovation (2014 und 2021) und Nachhaltigkeit (2012 und 2014) erhalten. Markus Tutsch war 2017 zudem Grüner Bundestagskandidat im Landkreis Kulmbach. Sein Motto lautet: “Ökologie und Ökonomie sind zwei Seiten der gleichen Münze”.