Anhörung von Sachverständigen durch den Ausschuss für Schule und Bildung im Landtag Sachsen zum Antrag „Ökonomie statt Ideologie: Die Vermittlung eines soliden Wirtschaftswissens in der Schule fördert die Verantwortung junger Menschen für ihre Zukunft“ der AfD-Fraktion.

Die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen hat auf Grundlage vermeintlich mangelhafter ökonomischer Kenntnisse der Absolvent:innen allgemeinbildender Schulen in Sachsen einen Antrag gestellt, der insgesamt sechs Forderungen umfasst. Zu den Forderungen zählt unter anderem die Umstellung von Lehrplänen hinsichtlich wirtschaftsaffiner Fächer zu einem eigenständigem Fach Wirtschaft und die Reduzierung der Politischen Bildung, um die hierfür benötigten Unterrichtsstunden zu gewinnen. Frauke Rinelli vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW) wurde als Sachverständige eingeladen. Der BNW stuft die Begründung, die dem Antrag zugrunde liegt, als unzureichend ein und setzt sich für ein zukunftsorientiertes Wirtschaftsverständnis im Lehrplan ein, das die Einbindung von Mensch, Natur und Klima umfasst.

Begründung des Antrags
Als Begründung für den Antrag wird vom Antragsteller die OeBiX-Studie Ökonomische Bildung in Deutschland“ angeführt. Durch das vom BNW in Baden-Württemberg durchgeführte Bildungsprojekt Umweltprofis von morgen, kann beispielhaft aufgezeigt werden, dass die Studie kein umfangreiches Bild zum aktuellen Kenntnisstand von Absolvent:innen allgemeinbildender Schulen abbildet. Die der Begründung zugrundeliegende Studie ist rein quantitativer Natur und berücksichtigt viele Aspekte der ökonomischen Bildung nicht. Mangelhafte ökonomische Kenntnisse der Absolvent:innen allgemeinbildender Schulen in Sachsen lassen sich nicht unmittelbar aus der Studie schlussfolgern. Daher lehnt der BNW die Begründung des Antrags als unzureichend ab.

Reduzierung der Politischen Bildung
Mit den Umweltprofis von morgen setzt der BNW das Konzept Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) um. Bildung für nachhaltige Entwicklung soll das Individuum zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen. Es soll allen Menschen ermöglichen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Für den BNW ist es ein zentrales Anliegen, dass sich die Schüler:innen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen aneignen. Hierzu zählen unter anderem kritisches Reflektieren, Selbstständigkeit, das Arbeiten im Team und selbstgesteuertes Lernen.
Der BNW setzt sich dafür ein, dass die Wirtschaft nicht als ein in sich geschlossenes System verstanden wird, das jenseits der Umwelt, Gesellschaft und Politik liegt. Vielmehr versteht der BNW die Wirtschaft als ein Teil des Ganzen, das auf die Ressourcen der Umwelt zurückgreift und ohne die Gesellschaft nicht funktioniert. Politische Bildung und ökonomische Bildung stehen hierbei nicht im Gegensatz zueinander, sondern müssen zusammengedacht werden, damit die Schüler:innen die Komplexität der Realität erfassen können und in der Lage sind, mündige Entscheidungen zu treffen. Auf diese gesellschaftlichen Bedingungen einzugehen und auch die ökologischen Grenzen der Wirtschaft in den Blick zu nehmen, ist zentral, um eine zukunftsorientierte Wirtschaft ausgestalten zu können. Hierfür braucht es eine sozio-ökonomische Bildung, die auch die gesellschaftlichen Bedingungen und die ökologischen Grenzen aufgreift. Der BNW lehnt daher die Reduzierung der Politischen Bildung, um die benötigten Unterrichtsstunden für ein eigenständiges Fach Wirtschaft zu gewinnen, ab.

Abschließende Bemerkungen
In Baden-Württemberg wurde zum Schuljahr 2016/17 das Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (SEK I) bzw. Wirtschaft (SEK II) eingeführt, was der BNW begrüßt. Für ein wirklich zukunftsorientiertes Wirtschaftsverständnis setzt sich der BNW für die Einbindung klima-, umwelt- und entwicklungspolitische Faktoren in den Lehrplan Wirtschaft ein. Das Wirtschaftssystem kann nicht ohne planetare Grenzen und soziale Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette gedacht werden.