Ein Gastbeitrag von Gerd Hofielen vom BNW-Mitglied Humanistic Management Pracitces

Im Jahr 2019 haben große internationale Konzerne wie BASF, BMW, Deutsche Bank u.a. gemeinsam die Value Balancing Alliance (VBA) gegründet. Sie kann als Antwort der Konzerninteressen auf die Initiativen der EU verstanden werden, die Berichtspflichten zu den Risiken und Schadwirkungen der Geschäftsmodelle zu präzisieren. Die VBA entwickelt einen Ansatz der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der sehr stark auf Monetarisierung setzt. Das wurde jüngst bereits von Seiten des WWF, Germanwatch und NABU kritisiert (siehe dazu: Blogpost Germanwatch vom 19.05.22). Deren Kritikpunkten ist im Wesentlichen zuzustimmen. Gleichzeitig können diese noch um weitere Aspekte ergänzt und dem Ansatz der VBA die Perspektive der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) als mögliche Alternative gegenübergestellt werden.

Reduzierung auf freiwilliges Management-Informationssystem
Mit dem Argument, eine monetäre Berichterstattung der Nachhaltigkeitsrisiken würde die „Sprache des Managements“ sprechen und daher in diesen Kreisen besser verstanden werden, propagiert die VBA ein Informationssystem, das es Kapital- oder „Investoren-Interessen“ ermöglichen soll, die Risiken der nachhaltigen Geschäftsführung zu vermeiden und neue Chancen zu nutzen. VBA verwirrt mit dem Anspruch, Informationen für die Finanzbuchhaltung (Financial Accounting) und für die öffentliche Berichterstattung liefern zu können, reduziert den eigenen Ansatz jedoch auf ein Management-Informationssystem (Managerial Accounting), das lediglich der interne Entscheidungsfindung dienen soll. Nach Auffassung der VBA soll es auch dem Management überlassen bleiben, ob und inwiefern diese Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Monetarisierung im Fokus
Zudem spielt die VBA mit dem Unterschied von Wert und Preis. In der englischen Sprache kann beides als „Value“ bezeichnet werden. VBA ordnet z.B. dem Schaden durch Arbeitsunfälle und in der Konsequenz dem Menschenleben einen Preis zu. Die ethische Problematik wird reflektiert, aber durch die Diskussion der monetären „Bewertung“ (= Bepreisung) überlagert und faktisch ausgeklammert. Ebenso wird mit der Beschädigung von ökologischen Systemen verfahren: wo es keine Möglichkeit gibt, einen Preis zuzuschreiben (Biodiversität), wird das Thema ausgeklammert.

Scope völlig ungeeignet
Problematisch ist auch der Anwendungsbereich (Scope) der VBA-Berichterstattung. Dieser folgt im weitesten Sinne dem Triple-Bottom-Line Ansatz (Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit), der davon ausgeht, dass sich Unternehmen auf soziale und ökologische Belange in gleicher Priorität fokussieren sollten, wie auf ökonomische (Generierung von Gewinnen). John Elkington, der Begründer dieses Konzepts, hat mittlerweile sein eigenes Konzept zurückgenommen, weil er zu dem Schluss gekommen ist, dass dieses von Konzernen missbraucht wurde/wird. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, die VBA liefert ihn: Wichtige ökologische und soziale Aspekte, wie die Achtung der planetaren Grenzen oder die innerbetriebliche Lohn-/Gehaltsspreizung und die Mitbestimmungsrechte der Mitarbeitenden und weiterer Stakeholder werden von der VBA komplett ausgeblendet.