Ein Auszug aus dem Gastbeitrag von Dr. Stefan Bund, Luca Franke und Jaron Krapf von BNW-Mitglied SDG Investments. Den ungekürzten Beitrag lesen Sie hier.     

In Anbetracht einer zunehmend wachsenden Bevölkerung mit steigenden Wohlstandsansprüchen müssen die technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Fähigkeiten daran ausgerichtet werden, allen auf der Welt ein gutes Leben zu ermöglichen. Die im Rahmen der Agenda 2030 entwickelten Nachhaltigkeitsziele (17 SDGs – Sustainable Development Goals) bieten ein umfassendes Framework zur Entwicklung einer weltweit nachhaltigen Gesellschaft. Die Genese alternativer Geschäftsmodelle, die sich auf kontinuierlich ändernde Marktgegebenheiten anpassen können und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, sind von großer Bedeutung. Beispielsweise können „as-a-service“-Modelle ein Baustein sein, der sowohl Aspekte der Nachhaltigkeitsziele bedient als auch der wachsenden Dynamik und Komplexität der Märkte gewachsen ist.

Waren es zuerst rein digitale Plattformen wie Spotify oder Netflix, die bereits früh auf Mietmodelle setzten, ist die digitale und nachhaltige Transformation mittlerweile auch im Sektor der physischen Güter angekommen. Beispiele für die Etablierung von „as-a-service“-Modellen finden sich im Bereich der e-Scooter, Fahrräder oder etwa Solaranlagen wieder. Im Sinne dieser Neuentwicklungen spricht man von „Anything-as-a-service“-Modellen (Xaas), bei denen dem Kund:innen die Leistung eines Produkts für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt wird, anstatt das Produkt zu kaufen.

Nachhaltigkeit durch XaaS-Geschäftsmodelle 

Damit die ökologischen Ziele des Pariser Klimaabkommens umgesetzt werden können, ist eine nachhaltige Neustrukturierung der globalen Wirtschaft und des Konsumverhaltens unabdingbar. Dass „as-a-service“-Modelle im Allgemeinen einen signifikanten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, ist offensichtlich. Betrachtet man das Kernkonstrukt der XaaS-Geschäftsmodelle, kristallisieren sich unweigerlich Elemente der Circular- und Sharing-Economy heraus, die die Basis der Service-Geschäftsmodelle bilden. Die Circular-Economy zeichnet sich dadurch aus, dass Produkte möglichst lange erhalten bleiben, recycelt und mit anderen geteilt werden, wodurch die Auslastung des Produkts maximiert wird. Die Produkte sind folglich nicht im Besitz der Kund:innen, sondern für eine kurz-, mittel- oder langfristige Dauer gemietet und wandern nach Vertragsende häufig zu den nächsten Kund:innen. […]

Impact von XaaS-Geschäftsmodellen

Um den nachhaltigen Wandel innerhalb des Wirtschaftskreislaufes etablieren zu können, muss Raum für Innovation und nachhaltige Produkte geschaffen werden. Service-Geschäftsmodelle treiben häufig bereits im Kern Nachhaltigkeit voran und das vielfältige, am Kunden orientierte Potential, wird vom Markt erkannt. Zudem bedienen die in der Zwischenzeit durch Xaas-Geschäftsmodelle eroberten Wirtschaftssektoren eine breite Palette an SDGs, sodass ein signifikanter Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele geleistet werden kann. […]

Von CapEx zu OpEx

Wie soeben aufgezeigt, ist eine nachhaltige Transformation für Unternehmen durchaus rentabel, wenngleich sie häufig auch Investitionen erfordern, oder auf Englisch, Capital Expenditure (CapEx).[1] XaaS bricht jedoch mit der Annahme, dass für Nachhaltigkeit enorme Investitionskosten im Unternehmen anfallen müssen. Betrachtet man den traditionellen Kauf von Infrastrukturen, wie beispielsweise Solarpanel für die neue Fertigungshalle eines Unternehmens, so fallen unmittelbar Kapitalkosten an, die Liquidität binden und so die finanzielle und strategische Flexibilität reduzieren. Besonders KMU kann dies vor Herausforderungen stellen. Um dem entgegenzuwirken, zahlen Kund:innen für „as-a-service“-Rundumpakete einen fixen monatlichen Betrag an den Anbieter. Somit wird nicht nur das Produkt, sondern auch Leistungen wie Planung, Projektmanagement, Installation und Wartung mit eingekauft. […]

Finanzierungsmöglichkeiten von XaaS

Entscheidender Faktor im Fall von XaaS-Finanzierungen sind die Eigentumsrechte. Anders als beim klassischen Verkauf veräußern die Anbieter:innen ihr Produkt nicht, sondern bieten vielmehr die Nutzung des Produkts mitsamt Dienstleistungen an. Das Eigentum verbleibt bei den Anbieter:innen. […]

Um die entstehenden CapEx zu finanzieren, wird häufig auf Asset Based Finanzierungen (ABF) zurückgegriffen. Hierfür wird eine Besitzgesellschaft gegründet, welche dann mittel- oder unmittelbar als Vermieterin auftritt. Die Besitzgesellschaft finanziert den Erwerb der Assets durch das eingesammelte Eigen- und Fremdkapital, und begleicht, Zins-, Tilgungs- und Dividendenzahlungen sowie die Gebühr für die Wartung an das betreibende Unternehmen aus den Cashflows der Mieteinnahmen. Durch die Kombination aus Service-Modell und Nachhaltigkeit eröffnen sich institutionellen Investoren attraktive Chancen. […]

[1] LBBW-Studie: Nachhaltige Unternehmen sind erfolgreicher

Dr. Stefan Bund
Partner der SDG INVESTMENTS GmbH. Über 20 Jahre Leitungserfahrung bei Geschäftsbanken, Ratingagenturen und Dienstleistungsgesellschaften. Origination, Strukturierung, Vermarktung, Investments und Risikoanalyse von strukturierten Finanzierungen und Alternativen Investmentfonds mit Stationen in London, New York, Tokyo und Frankfurt.

Luca Franke
Seit 2021 unterstützt Luca Franke als Corporate Finance Project Manager das Team bei SDG INVESTMENTS. Er ist verantwortlich für die Analyse, Strukturierung und Begleitung von Projekten. Vor seiner Zeit bei SDG INVESTMENTS war Luca als Strategieberater für die Boston Consulting Group tätig.

Jaron Krapf
Seit Februar 2022 arbeitet Jaron in der Rolle des Assistant Project Analyst und unterstützt das Corporate Finance Team der SDG INVESTMENTS. Im Frühjahr 2021 hat er sein Bachelorstudium im Bereich Economics & Business Administration an der Goethe-Universität Frankfurt erfolgreich abgeschlossen.