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Sozial. Stark. Sichtbar. - Wie das Yunus Environment Hub Sozialunternehmen beim Wachsen unterstützt

Wir wissen längst, wie wir Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Müllflut bremsen können. Die Lösungen sind da, doch der große Durchbruch bleibt aus. Woran liegt das? Genau hier setzt das Yunus Environment Hub (YEH) an. Nicht als NGO, sondern unternehmerisch. Denn damit Sozialunternehmen viel Wirkung erzielen können, müssen sie wachsen. Deshalb unterstützt das YEH Sozialunternehmen weltweit – von der Entwicklung wirksamer Ansätze bis zur Skalierung – und dabei, endlich als Teil der Lösung anerkannt zu werden.

Sozial. Stark. Sichtbar. Mitgliedsunternehmen Interview
Christina Jäger - Yunus Environment Hub

Endlich ernst genommen

„Ohne euch hätte ich längst aufgegeben.“ Solche Sätze hört Christina Jäger oft. Viele Sozialunternehmen sind bereit, alles zu geben. Sie zahlen fair, arbeiten mit nachhaltigen Rohstoffen, investieren in die Entwicklung neuer Ansätze und müssen trotzdem gegen Anbieter bestehen, die sich darum kein bisschen scheren. Dazu kommt: Viele Impact-Investor:innen nehmen zwar den grünen Anstrich nur zu gern mit, doch am Ende sind sie doch auf die Rendite aus. Dabei funktionieren Sozialunternehmen anders – sie reinvestieren ihre Gewinne, statt sie auszuschütten. Genau das verstehen immer noch zu wenige. Kein Wunder, dass viele Sozialunternehmer:innen aufatmen, wenn sie zum Yunus Environment Hub kommen. Und dort das erste Mal erfahren, wie es ist, ernst genommen zu werden und mit jemandem zu sprechen, der an ihr Geschäftsmodell glaubt. So wie Christina Jäger.

 

„Ich wollte immer, etwas sinnstiftendes tun und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Für mich ist Wirtschaft ohne Klimaschutz keine zukunftsgerichtete Wirtschaft.“ — Christina Jäger, Yunus Environment Hub

 

Die drei großen Probleme

Mikrofon an. Das Glas Wasser steht bereit. Christina Jäger war schon überall. Beim World Circular Economy Forum in Brüssel, der Climate Week in New York City, den Vereinten Nationen oder auf der COP29 in Baku. Dort erzählt sie, wie Sozialunternehmen zur ökologischen Transformation beitragen. In vielen Gesprächen wurde nach und nach klar: Sozialunternehmen mit Umweltfokus brauchen eine eigene Plattform, die sie verbindet und ihnen hilft, ihre Lösungen für Klimakrise, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung in die Welt zu bringen. Das Yunus Environment Hub (YEH) wurde 2019 gegründet, um Social Business Lösungen für Umweltprobleme global zu skalieren. Es ist Teil des internationalen Netzwerks rund um den Social Business Ansatz von Friedensnobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus und agiert heute als eigenständige Organisation. Seitdem hilft YEH Sozialunternehmen aus der ganzen Welt beim Wachsen. Die Bandbreite ist genauso vielfältig wie die Bühnen, auf denen Christina Jäger schon stand. Safi Organics aus Kenia etwa, stellt aus Reishülsen und Zuckerrohrresten Pflanzenkohle und natürlichen Dünger her, während die Mongolian Wool and Cashmere Association (MWCA) 178.000 Hirtenfamilien in der Mongolei nachhaltiger und international wettbewerbsfähig macht. Oder ContainerGrid aus Deutschland, das für Industrieunternehmen Prozesse zur Rücknahme und zum Recycling von Altprodukten entwickelt. Doch noch kennen zu wenige diese Lösungen.

 

Ein unfairer Wettbewerb

Gehört ja, Standard nein. Auch wenn Sozialunternehmen in den vergangenen Jahren bekannter geworden sind, gibt es noch viele Vorurteile. Finanzielle Förderungen sind oft zu kurzfristig gedacht, weil Sozialunternehmen ihre Gewinne reinvestieren und länger brauchen, um Investitionen zurückzuzahlen. Oder Banken, die sie mit einem höheren Risikofaktor einstufen, weil sie langsamer wachsen und weniger Rücklagen bilden können. Das bedeutet schlechtere Zinskonditionen oder gar keine Kredite.  „Es gibt viel Luft nach oben, um Rahmenbedingungen zu verändern“, so Christina Jäger. „Ein großer Hebel ist die öffentliche Beschaffung. Wenn in Ausschreibungen ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden müssten, kämen Sozialunternehmen eher zum Zuge“ ist sie sich sicher. Oder wenn endlich die Verursacher von Umweltkosten zur Kasse gebeten würden - so wie in Tübingen. Seit die Stadt eine Verpackungssteuer auf Einweg-Take-Away-Verpackungen einführte, hat sich die Zahl der Betriebe mit Mehrweg-Ausgabe vervierfacht. Was es bräuchte, um Sozialunternehmen zu fördern, hat YEH in einem Forschungsvorhaben für das Umweltministerium erarbeitet. Doch bis sich die Politik bewegt, dauert es oft lange. Vor allem, solange die Welt im Ausnahmezustand ist.

 

Was sich gemeinsam bewirken lässt

Dabei werden sie gebraucht. „Gerade in Krisenzeiten federn Sozialunternehmen gesellschaftliche Themen ab und sind umso wichtiger“, sagt Christina Jäger. Doch woran viele scheitern, ist nicht der Aufbau, sondern die Skalierung. Genau dort setzt YEH mit verschiedenen Programmen an. In Gruppentrainings, individuellen Coachings, Fortbildungen, Peer-Formaten oder Netzwerk-Events bringt YEH Sozialunternehmen mit Umweltfokus bei, was sie zum Wachsen brauchen oder welche Fördermöglichkeiten es gibt. Bewerben können sich Interessierte in Ausschreibungen und wer ausgewählt wird, erhält je nach Programm eine meist sechsmonatige kostenlose Förderung. „Meine Aufgabe ist es, die Fäden zusammenzuhalten, das Team zu führen, an der Strategie zu arbeiten und unsere Partnerschaften zu pflegen“, erklärt Christina Jäger. Das YEH selbst finanziert sich über Beratung, Projektfinanzierungen, Fördergelder und strategische Partnerschaften und wird unter anderem von den Vereinten Nationen, Ministerien oder Stiftungen unterstützt. Auch wenn der Wind rauer geworden ist.

 

„Ich wünsche mir, dass Sozialunternehmen zum Mainstream werden und ihr wichtiger Beitrag zu Veränderung und Kreislaufwirtschaft endlich anerkannt wird.“ — Christina Jäger, Yunus Environment Hub

 

Geht es nicht auch anders?

Wie ist die Lage 2026? Hoffnungsvoll? Oder frustrierend? „Ich bin sehr realistisch“, sagt Christina Jäger. Wellenbewegungen habe es in der Politik schon immer gegeben. Davon lässt sie sich nicht vom Kurs abbringen. Dennoch hat sie einen großen Wunsch: Dass Sozialunternehmen endlich als zentraler Teil der Lösung wahrgenommen werden. Denn von upgecyceltem Elektroschrott über lokale Mehrwegsysteme bis zu ressourcenschonenden Materialien für die E-Mobilität haben sie viel zu bieten. Doch gemessen werden sie nach wie vor an ihrem Return on Investment. Muss das sein? „Wir brauchen mehr Menschen, die bereit sind, in Wirkung zu investieren statt in Profit. Das würde ich mir wünschen“, sagt Christina Jäger. Schließlich geht es darum, gesellschaftliche Probleme zu lösen und nicht darum, Gewinne zu maximieren. 

 

Zur Kolumne:
Christine Harbig ist Filmproduzentin, Journalistin und BNW-Mitglied. Ihre Mission ist es, nachhaltige und soziale Unternehmen sichtbar zu machen. Denn es gibt bereits viele gute Ideen für eine bessere Zukunft – doch oft sind sie noch zu wenig bekannt. In der BNW-Reihe "Sozial. Stark. Sichtbar." porträtiert sie Sozialunternehmer:innen, die zeigen, wie alternatives Wirtschaften funktioniert und welche Chancen in ihren Geschäftsmodellen stecken.