„Zuhören, statt so zu tun, als hätten wir alle Antworten“
„Wasser ist Leben und gleichzeitig garantiert ein Brunnen allein kein sicheres, menschenwürdiges Leben“ so Mario Klütsch, Geschäftsführer von Viva con Agua. Seit fast zwanzig Jahren setzt sich Viva con Agua für den sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser ein. Der Verein fördert Projekte im Globalen Süden mit dem Schwerpunkt Südost Afrika. Längst geht es dabei nicht mehr nur um Brunnen, sondern um ´ganzheitliche´ Lösungen. Neben dem Zugang zu Wasser wird auch die Sanitärversorgung und Hygiene gefördert. Ziel ist es, die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern.
Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt Viva con Agua das WASH-Prinzip. „Der WASH-Ansatz verbindet Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene - damit sauberes Trinkwasser nicht nur verfügbar ist, sondern auch gesund hält.“ Neben der Bereitstellung von Brunnen und Sanitäranlagen setzt sich Viva con Agua auch intensiv in der Wissensvermittlung ein. Um dabei lokale Sprachbarrieren zu überwinden und alle einzubeziehen, kommen sogenannte ´universelle Sprachen´ zu Einsatz. „Universelle Sprachen wie Kunst, Sport oder Musik helfen uns dabei, Menschen zu erreichen, zu aktivieren und Wissen wirklich nachhaltig zu verankern“ so Klütsch.
Immer im Lernmodus
Im Rahmen einiger Projekte investiert Viva con Agua zusätzlich in lokale Strukturen und Lösungen. „Projekte wie SPOUTS zeigen, dass lokale Lösungen – etwa Keramikwasserfilter aus lokalem Ton – oft viel wirksamer sind als punktuelle Einzelmaßnahmen. Ein Brunnen kann ein Anfang sein, aber echte Wirkung entsteht erst, wenn Infrastruktur, Bildung, lokale Expertise und Community-Ownership zusammenkommen.“
Das Engagement von Viva con Agua steht nie still. „Weiterentwicklung ist Teil unserer Wirkung – und genau diese Haltung ermöglicht echte, nachhaltige Veränderung. Das geht nur, wenn wir zuhören statt so zu tun, als hätten wir alle Antworten“ so Klütsch. „Dazu gehört, offen über Grenzen und Lernfelder zu sprechen. Und es bedeutet, die Perspektiven der Menschen einzubeziehen, die am stärksten betroffen sind.“
Social Business
Auch die Arbeit von Viva con Agua in Europa hat sich weiterentwickelt. Angefangen hat alles mit freiwilligen Viva con Agua Crews, die auf Festivals Becherpfand gesammelt und gespendet haben. „Unsere ehrenamtlichen Communities sind unsere Familie – das Herz von Viva con Agua. Ohne ihr Engagement gäbe es uns in dieser Form nicht. Sie tragen unsere Vision dorthin, wo Menschen gemeinsam feiern, fühlen und handeln.“
Und trotzdem hat sich Viva con Agua mittlerweile auch andere Orte für die Botschaft vom sauberen Wasser gesucht. Mit Goldeimer wurde ein soziales Klopapier ins Leben gerufen, das Gasthaus Villa Viva stützt die Arbeit des Vereins und in Supermärkten und Restaurants findet sich das soziale Mineralwasser von Viva con Agua. Wieso? „Soziale Produkte schaffen Sichtbarkeit im Alltag. Sie sorgen für wertvolle Einnahmen zugunsten der gemeinnützigen Projektarbeit und tragen unsere Botschaft weit über Festivals hinaus. Um erfolgreich zu sein braucht es beides – die vibrierende Energie der Ehrenamtlichen und soziale Produkte, die Wirkung finanziell wie kommunikativ möglich machen.“
Dranbleiben, lernen, besser werden
In den fast zwanzig Jahren von Viva con Agua hat sich viel verändert. „Was als Idee im Trainingslager des FC St. Pauli begann, hat sich mit viel Herzblut entwickelt“ bilanziert Klütsch. Das Erfolgsrezept hinter der Ursprungsidee vom Becherpfand: „dranbleiben, lernen, besser werden. Und das geht nur, wenn wir zuhören statt so zu tun, als hätten wir alle Antworten.“
Die Suche nach neuen Antworten hat Viva con Agua auch zum BNW geführt. „Uns ist klar, dass nachhaltige Veränderung nur im Netzwerk funktioniert – alleine können wir die Herausforderungen nicht stemmen. Der BNW bietet einen Rahmen, um unsere Standards zu reflektieren, von anderen Organisationen zu lernen und unsere eigene Wirkung kontinuierlich zu verbessern.“ Mit Viva con Agua vervollständigt sich das Hamburger Netzwerk rund um den 1. FC St. Pauli und Goldeimer, die bereits BNW-Mitglieder sind. Der BNW gratuliert Viva con Agua zum 20jährigen Engagement für sauberes Trinkwasser in 2026 und freut sich über die Neumitgliedschaft im Verband.