Verbrenner Aus, Antriebswende An.
Der Verbrenner wird eine Zukunft nach 2035 haben – zumindest auf dem Papier. In Brüssel zeichnet sich ein entsprechender Kompromiss ab. Wirtschaftlich ist das nicht. Laut PwC ermöglichen 100 Euro Energieeinsatz hierzulande 500 Kilometer Reichweite für einen Benzin-SUV. Mit dem gleichen Einsatz kommt ein E-SUV mit 1.120 Kilometern mehr als doppelt so weit.
„Deutschland steckt mitten in einem Boom für E-Fahrzeuge – die Förderung funktioniert und der Preisvorteil an der Tankstelle ist offensichtlich. Statt einem Spritpreisdeckel braucht es den Umstieg auf einen günstigen ÖPNV und E-Mobilität. Außerdem gehört das sozial-gestaffelte Klimageld auf den Tisch und das ewig nicht eingelöste Wahlversprechen der Stromsteuersenkung endlich angegangen“, so Prof. Dr. Katharina Reuter, BNW-Geschäftsführerin.
Wer lädt statt tankt, ist bis zu dreimal effizienter unterwegs und spart ein Drittel der Betriebskosten. Relevant sind diese Kostenvorteile nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für den Mittelstand.
„Die Debatte um das Verbrenner-Aus wirkt wie aus der Zeit gefallen. Im Mittelstand fragen wir längst nicht mehr, ob elektrisch, sondern nur noch, wie schnell wir möglichst viele Maschinen elektrisch auf die Straße bringen. Daran hindert uns nicht die Technik, sondern das Fehlen eines klaren Plans in der europäischen Wirtschaftspolitik, und den brauchen wir heute, nicht irgendwann“, so Martin Hoffmann, Geschäftsführer der ISEKI Maschinen GmbH.
Statt dem Verbrenner fehlen Planungssicherheit und Netzanschluss
Auch eine Studie des Fraunhofer-Instituts im Auftrag der Organisation Transport & Environment (T&E) kommt zu dem Schluss, dass ein klares Bekenntnis der Politik zu E-Fahrzeugen in Firmenflotten bis 2030 bis zu 134.000 neue Jobs in Deutschland und europaweit bis zu 344.000 neue Arbeitsplätze mit sich bringen könnte. Grundlage wäre nicht nur eine Kehrtwende der Bundesregierung, welche die Vorgaben für Dienstwagenflotten aufweichen will, sondern auch ein ergänzendes Programm, das die Ladeinfrastruktur und Netzanschlüsse zügig voranbringt.
„Die Mobilitätswende scheitert heute nicht an der Technologie und oft auch nicht an der Wirtschaftlichkeit. Die eigentlichen Bremsen sind fehlende Netzkapazitäten, lange Anschlussprozesse und eine Förderpolitik, die zu wenig Planungssicherheit bietet. Wer mehr Elektromobilität im Mittelstand will, muss die Infrastruktur genauso konsequent voranbringen wie die Fahrzeuge“, so Lisa Runden, CEO bei der Runden Group GmbH & Co. KG.
Elektromobilität kann ihre Kostenvorteile im Mittelstand besonders ausspielen, wenn sie mit eigenen Erzeugungsanlagen, Energiemanagementsystemen und Speicherlösungen kombiniert wird. Hierfür werden mit dem EEG und Netzpaket voraussichtlich noch im November entscheidende Weichen gestellt. Entscheidend wird auch das für das Jahresende angekündigte Verteilnetzpaket.
„Ziel muss es sein, dass die Kostenvorteile der E-Mobilität aus Erneuerbaren möglichst schnell, möglichst vielen offenstehen. Das ist gut fürs Klima, die Kaufkraft und die Beschäftigung in der Automobilindustrie. Statt um den Verbrenner geht es jetzt um das Verteilnetzpaket, EEG und Netzpaket. Sie müssen die Infrastruktur der Antriebswende fördern, statt sie zu verteuern und auszubremsen“, so Reuter abschließend.