Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Was erwartet Unternehmen mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)?

Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Die Seite wird laufend aktualisiert. Wir danken Dr. Carsten Zielke (Mitglied der EFRAG) an dieser Stelle herzlich für seine Ausführungen im Rahmen unseres Workshops zur CSRD.

FAQ zu CSRD

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ersetzt die aktuell geltende Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Mit der CSRD legt die Europäische Kommission erstmals einen einheitlichen Rahmen für die Berichterstattung nicht-finanzieller Daten fest. Die CSRD verankert das Konzept der doppelten Wesentlichkeit (double materiality), verlangt ausführlichere Informationen zu Nachhaltigkeitszielen und Kennzahlen. Dabei richtet sich die CSRD an der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) und der EU Taxonomie aus.

Aktuell laufen Verhandlungen zur CSRD auf EU-Ebene. Zu dem Entwurf, den die Europäische Kommission letztes Jahr vorgelegt hat, haben Europäisches Parlament und Europäischer Rat Stellung bezogen und Änderungsvorschläge gemacht (siehe unten). Aktuell befinden sich die drei europäischen Institutionen im politischen Trilog. Es ist davon auszugehen, dass die Verhandlungen auf EU-Ebene im Juni oder Juli 2022 abgeschlossen sind. Ende des Jahres soll die CSRD in nationales Recht umgesetzt werden.

Für die konkrete Erarbeitung eines EU-weiten Berichtstandards ist die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) verantwortlich. Die EFRAG entwickelt Standards, die von anderen Initiativen (u.a. ISSB, GRI, TCFD, GWÖ, DNK) inspiriert sind und diese berücksichtigen. Bis Mitte 2022 sollen konkrete Vorschläge für die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) vorliegen.

Durch die neue Richtlinie sind Unternehmen EU-weit verpflichtet, über nicht-finanzielle Auswirkungen ihres Handelns zu berichten. Die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen in Europa steigt von 11700 auf über 50000 Unternehmen an. Betroffen sind auch Versicherungen und Kreditinstitutionen. Alleine in Deutschland betrifft die CSRD mehr als 15000 Unternehmen. Auch Nicht-EU-Firmen, die ein Tochterunternehmen oder eine Betriebsstätte in einem EU-Staat haben, sollen unter die CSRD fallen.

Unternehmen (unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung) sind verpflichtet nach der CSRD zu berichten, wenn sie zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen:

  • Mehr als 250 Mitarbeitende und/oder
  • Nettoumsatz von mehr als €40 Mio. Umsatz und/oder
  • Bilanzsumme von mehr als €20 Mio.

Kapitalmarktorientierte (börsennotierte) KMU sollen die CSRD mit einer verlängerten Frist umsetzen. Für sie soll es vereinfachte Standards geben.

Alle KMU, die nicht börsennotiert sind oder unter die oben genannte Regelung fallen, sind von der Berichtspflicht ausgeschlossen. Sie können freiwillig berichten. Dafür werden freiwillige und vereinfachte KMU Berichtsstandards entwickelt.

Wichtiger Hinweis:  Das europäische Parlament fordert die Kommission in ihrem Änderungsentwurf dazu auf,  KMU aus Hoch-Risiko Sektoren (Bekleidung, Schuhe, Landwirtschaft und Bergbau) zur Nachhaltigkeitberichterstattung zu verpflichten. Ob KMU in solchen Hoch-Risiko Sektoren (unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung) zu Berichtspflicht verpflichtet werden, hängt von den laufenden politischen Verhandlungen ab.

Unternehmen können davon ausgehen, dass es eine Konzernbefreiung gibt. Tochter­unternehmen müssen nicht selbstständig berichten, sofern die Nachhaltigkeits­bericht­erstattung auf Konzernebene das Tochterunternehmen berücksichtigt. Ein Verweis auf den Konzernlagebericht reicht aus.

Laut dem aktuellen Entwurf müssen Unternehmen (die 2 der 3 oben genannten Kriterien erfüllen) die CSRD ab 2025 umsetzen und für das Geschäftsjahr 2024 berichten.

Börsennotierte KMU haben eine längere Übergangsfrist. Sie müssen ab 2027 (Berichtsjahr) für das Geschäftsjahr 2026 berichten.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird durch die CSRD Richtlinie vereinheitlicht. Unternehmen sind dazu verpflichtet ihren Lagebericht um eine nichtfinanzielle Erklärung zu erweitern. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist in einem abgetrennten Teil des Lageberichts möglich und muss nicht in die finanzielle Berichterstattung integriert werden. Der Lagebericht des Geschäftsbetriebs soll spätestens vier Monate nach Geschäftsjahresende erscheinen.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird maschinenlesbar gemacht. Kennzahlen und Informationen werden in einem standardisierten digitalen Format übermittelt und veröffentlicht. Dazu müssen die Nachhaltigkeitsinformationen nach dem „European Single Electronic Format“ (ESEF) getaggt werden. Eine kostenlos einsehbare Datenbank (European Single Access Point) bündelt die digital aufbereiteten Berichte. Sie sorgt für Transparenz und macht einen Vergleich der Nachhaltigkeitskennzahlen von Unternehmen möglich.

Voraussichtlich werden für die Datenerhebung folgende Standards und Tools genutzt:

  • PCAF & GHG Protocol: Metriken, Messung
  • SBTi: Zielsetzung
  • PACTA: Klima Szenario Analyse

In der CSRD ist das Konzept der doppelten Wesentlichkeit (double materiality) verankert. Das bedeutet Unternehmen müssen ihre Auswirkungen im Nachhaltigkeitsbericht ganzheitlich berücksichtigen:

  • Auswirkungen der eigenen ökonomischen Aktivität auf Umwelt und Menschen (impact materiality): Einfluss und Risiken für Mensch und Umwelt, die durch die Aktivität des Unternehmen entstehen.
  • Auswirkungen der Umweltveränderungen auf die eigene ökomische Aktivität (financial materiality): Risiken, durch den Klimawandel, die die Aktivität des Unternehmens beeinflussen.


Beide Dimensionen sind bei der Berichterstattung gleich wichtig. Die Auswirkungen für alle Stakeholder eines Unternehmens müssen analysiert werden. Außerdem müssen aktuelle und potenzielle Auswirkungen berücksichtigt werden. Die Bewertung der Auswirkungen eines Unternehmen muss über die gesamte Lieferkette und verschiedene Zeithorizonte erfolgen.

Nicht berichtspflichtige KMU können z.B. als Lieferant für ein berichtspflichtiges Unternehmen oder als Geldnehmer von einem Finanzinstitut indirekt betroffen sein. Die CSRD fordert von berichtspflichtigen Unternehmen, Auskünfte über Lieferanten und Zulieferer in ihrer gesamten Lieferkette zu geben. Die berichtspflichtigen Unternehmen werden also auch von ihren Lieferanten und Dienstleistern fordern Nachhaltigkeitsinformationen offenzulegen. Ansonsten setzen sich die Lieferanten dem Risiko aus z.B. ausgelistet zu werden. Auch Finanzflüsse (Versicherungen, Kredite, Abschreibungen) sind davon betroffen. Denn Banken und Versicherer müssen durch die CSRD und SFDR transparent offenlegen, wo ihr Geld hinfließt. Kleinere und Kleinstunternehmen, die keinen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, könnten Probleme z.B. bei der Finanzierung oder beim Versicherungsschutz bekommen.

In der CSRD sind vereinfachte Berichtsstandards für KMU geplant, die von der EFRAG erarbeitet werden. Bei der Umsetzung der Standards müssen nachhaltigkeitsrelevante Informationen und Daten nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt werden. Wenn Informationen oder Daten fehlen, müssen Unternehmen das im Bericht kennzeichnen und im folgenden Bericht nachzuliefern. In einem Aktionsplan müssen Unternehmen darlegen, wie sie fehlende Daten und Informationen beschaffen. Die Datenqualität soll mit jeder Anwendung der neuen Berichtsstandards steigen.


Die EFRAG hat einen Entwurf der erarbeiteten Standards zur öffentlichen Kommentierung veröffentlicht.

Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) ist für die konkrete Ausarbeitung der EU-Berichtsstandards (European Sustainability Reporting Standards (ESRS)) verantwortlich. In ihren Working Papers veröffentlicht sie regelmäßig relevante Informationen zum laufenden Prozess.

Die EU Kommision hat ihren Entwurf zur CSRD bereits im April 2021 veröffentlicht. Anfang 2022 haben das europäische Parlament und der europäische Rat Stellung zu diesem Entwurf bezogen. Die vollständigen Änderungsentwürfe finden Sie unten.

Eine Zusammenfassung der Änderungsvorschläge des europäischen Rats gibt es hier.

Eine kurze thematische Einführung zur CSRD liefert dieses Erklärvideo:

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